Hovmantorp & Abreise (2.-5.8.)

Unsere zwei letzten Nächte, bevor wir Richtung Hafen in Trelleborg fahren mussten, verbrachten wir in einem kleinen Paradies in Hovmantorp. Ein einsamer Stellplatz direkt an einem Minisee versüsste uns unseren Ferienabschluss. Eigentlich hatten wir für den letzten Tag noch andere Pläne, aber es gefiel uns dort so gut, dass wir uns entschlossen, zu bleiben. Noch einmal grillieren, noch einmal im See baden (und duschen), Gitarre spielen, lesen und die Sonne geniessen, mehr brauchten wir für einen gelungenen Abschluss nicht.

Am Dienstag mussten wir dann weiterziehen und wir übernachteten knapp 20km vom Hafen entfernt an einem ruhigen Ort, bevor wir am nächsten Morgen früh nach Trelleborg aufbrachen, um die Fähre um 11 Uhr zu erwischen. Dieses Mal lief alles reibungslos und wir verabschiedeten uns mit vielen schönen Erfahrungen und Erinnerungen von Schweden…


Fahrt Richtung Süden & Store Mosse Nationalpark (31.7.-2.8)

Da wir die Fähre aufgrund der Höhe des Fahrzeuges umbuchen mussten, um rechtzeitig von åland auf dem Festland zurück zu sein, kamen wir nun anstatt in Stockholm in Kapellskär an, das sich noch weiter nördlich befindet. Viel Zeit blieb uns nicht mehr, die Südostküste von Schweden zu erkunden, zumal es bis dorthin noch einige Stunden zu fahren gab. Am Samstag taten wir denn auch nichts anderes.

Am Sonntag besuchten wir den Store Mosse Nationalpark, der für seine Tundra ähnlichen Landschaften und Moorgebiete bekannt ist. Wir wählten einen Wanderweg durch einen wunderschönen Wald mit einem Heidelbeerteppich aus und genossen das Sammeln der kleinen und mittlerweile reifen Beeren sowie die Ruhe sehr. Das half, meine doch etwas gedrückte Stimmung zu heben, denn bei Ankunft übersah ich beim Parkieren leider einen Baum, weshalb nun unsere rechte Scheibe an der Hintertür in tausend Stücken ist.

Aber Materielles lässt sich reparieren und so liessen wir uns nicht davon abhalten, unser nächsten Ziel, ein kleines Paradies in Hovmantorp, anzusteuern, wo wir weitere zwei Nächte verbrachten.


Åland (25.-31.7.)

In åland besuchten wir Freunde von Corinne, die dort ein Ferienhaus besitzen und jeweils den Sommer dort verbringen. Um halb vier Uhr morgens trafen wir in Långnäs ein und fuhren eine halbe Stunde durch die Dunkelheit, die wir bis dato zum ersten Mal erlebten, nach Gottby. Bei Dämmerung um halb fünf Uhr morgens trafen wir ein. Die Insel hatte es mir auf den ersten Blick angetan. Unseren Campervan parkten wir direkt am Meer, genossen die Morgenstimmung, bevor wir nochmals einige Stunden schlafen gingen. Am nächsten Morgen wurden wir herzlich von Karolin begrüsst, die uns in alles Wissenswerte einführte. Die nächsten Tage verbrachten wir relativ ruhig mit vielen Gesprächen, Lesen, Sauna, Kochen und viel Natur. Eine Dusche gibt es auf åland nicht bzw. Hat man das Vergnügen, sich in der grössten Dusche der Welt zu waschen, dem Meer. Ebenfalls zu Besuch war der Sohn des Paars sowie eine Künstlerin, Izidora Lethe, die sich im kleinen Atelier von der Insel inspirieren liess. Mit ihr und dem Cousin von Tomi, dem das Häuschen gehört, gingen wir eines Abends vor dem Eindunkeln mit dem Fischerboot aufs Meer hinaus, um die Netze auszulegen. Ziel war, Eglis zu fangen, um sie am nächsten Abend zu verspeisen. Am nächsten Morgen fuhren Måns (Cousin) und ich erneut hinaus, um die Netze wieder reinzuholen. 29 Egli hatten sich darin verfangen, was einerseits etwas hart war anzusehen, andererseits auch eine grosse Genugtuung auslöste. Ich war einfach froh, dass die Fische schon tot waren und ich sie nicht selbst töten musste. Zurück auf dem Eiland mussten die Fische natürlich weiterverarbeitet werden. Måns zeigte uns das Filetieren mit pädagogischem Geschick, sodass wir ein wunderbares Abendessen vorbereiten konnten.

Ein kleiner Abstecher kurz vor der Abreise führte uns zu Judy und ihrem Töpferladen sowie ins Designmuseum von åland, das Designerstücke (Pottery, Kleider, Schmuck etc.) von ålandischen Künstlern ausstellte. Das Museum begeisterte uns aber nur mässig.

Insgesamt verbrachten wir eine wunderschöne Woche auf einer magischen Insel und wir waren etwas traurig, wieder losziehen zu müssen, freuten uns aber auf die letzten Tage zu zweit in Schweden.

Links:
https://izidora-l.com/
https://www.steindruckerei-wolfensberger.ch/


Stockholm (22.-25.7.)

Rechtzeitig auf Corinnes Geburtstag kamen wir bei nassem und kaltem Wetter am frühen Nachmittag in Stockholm auf dem Camping an. Da das Wetter keineswegs einladend war, um die Stadt unsicher zu machen, richteten wir uns gemütlich auf dem Camping ein, bevor wir am Abend in einem Tapas-Fusion-Restaurant einkehrten. Eigentlich hätten wir sehr gerne vorher die Stadtbibliothek besucht, die auch architektonisch spannend gewesen wäre und sich im gleichen Quartier (Vasastan) befunden hätte, nur leider ist die wegen Renovationsarbeiten geschlossen. Das Essen war sehr schön präsentiert und super lecker. Wir haben den Abend sehr genossen und waren bereit für die Erkundungen dieser vielversprechenden Stadt.

Die U-Bahn (Tunnelbanan) Station war nur unweit vom Camping entfernt. Die meisten Stationen sind künstlerisch gestaltet, was die Ankunft und Abreise immer wieder spannend macht. Wir fuhren zur Hauptstation (T-Centralen) und schlenderten durch die Altstadt von Stockholm (Gamlastan), wo uns fast der Schlag traf. Unzählige Tourismusläden, alle mit dem gleichen Kram, vollgestopfte Gassen und Konsum so weit das Auge reicht. Nach so viel Natur und idyllischen Städtchen waren wir masslos überfordert, sodass wir schnurstracks weiterzogen und durch die Fjällgatan mit wunderbarer Aussicht auf die Stadt zum Fotografiska Museum spazierten. Wir betrachteten mehrere Ausstellungen, wobei uns insbesondere die von Martin Parr gefiel. Mit einem elektrisch betriebenen Boot und einem (riesigen) Glas Weisswein in der Hand ging es zurück in die Innenstadt, wo wir erneut ein wunderbares Abendessen geniessen durften.

Am zweiten Tag wollten wir den Stadtteil Södermalm besichtigen, der uns dermassen gefallen hat, dass wir die Zeit völlig vergessen und praktisch den ganzen Tag dort verbracht haben. Von herzigen Restaurants über Secondhand- und Designläden findet man dort alles, was das Herz begehrt. Schliesslich wollten wir Gamlastan doch nochmals eine Chance geben, nur wählten wir dieses Mal andere Gässchen und steuerten das „Stampen“, ein populäres Lokal mit Livemusik an. Es spielte ein DJ, der wenig Begeisterung in uns auslöste. Wir zogen weiter und fanden uns in einem kleinen Gewölbekeller einer Bierhalle (Ölhall) wieder, wo ein Jazz-/Blues-Trio den Abend abrundete.

Zurück auf dem Camping mussten wir packen und unsere Reise auf åland vorbereiten, die am nächsten Morgen früh starten sollte. Zu Arbeitszeiten standen wir auf und fuhren Richtung Hafen, der sich direkt beim Fotografiskamuseum befand und wir somit bestens Bescheid wussten. Alles lief bestens, pünktlich angekommen, Check-in gemacht. Der Fähremitarbeiter, der die Autos auf die Fähre liess, führte uns in eine andere Wartelinie und teilte uns (sehr unfreundlich) mit: „Your car is too high, you need to go to the terminal and take the next ferry in the afternoon“. Bitte was?? Ich bin ja sowieso keine Freundin von Fähren und nun standen wir etwas konsterniert da. Erneut wies uns der Mann weg. Es blieb uns nichts anderes übrig, als den Terminal aufzusuchen, wo wir auf eine nette und hilfsbereite Frau am Schalter trafen, die unsere Reise auf den Abend umbuchte. Uns wurde also ein weiterer Tag in Stockholm geschenkt und wir nutzten ihn, um Skansen, ein grosses Freiluftmuseum und das älteste der Welt, zu besuchen. Wir sahen uns den Teil mit der Handwerkskunst (z.B. Glasbläserei), die sich im „Stadtteil“ befand, und die Bauart alter Siedlungen an. Danach ging‘s genug früh zurück zum Fährehafen, um sicherzugehen, dass wir dieses Mal auf‘s Schiff gelassen werden. Ein „Schiff“ ist zwar masslos untertrieben, das war eher ein Kreuzfahrtschiff mit allem Drum und Dran: Band, Minigolf, Dutyfree-Shop, Kinderparadies, Restaurants… Es war crazy. Wir nutzten die Gelegenheit für eine letzte Dusche in unserer Kabine, gingen mit Getränken auf‘s Deck und genossen die Fahrt durch die Stockholmer Schären.

Drei Stunden später und mitten in der Nacht klingelte der Wecker. Wir mussten (als Einzige!) das riesige Schiff verlassen und waren endlich auf åland, Finnland angekommen.


Naturcamping & Uppsala (20.-22.7.)

Bevor es in die nächste Stadt ging, verbrachten wir eine weitere Nacht direkt am Wasser mit Feuerstelle und viel Ruhe. Wir kamen früh an, sodass wir uns einen Platz sichern konnten, denn danach suchten viele andere WoMos den Platz auf, was die Einheimischen nur mässig freuen dürfte.

Am nächsten Tag ging es immer noch bei mittleren Temperaturen in Richtung Uppsala. Wir fanden direkt einen Parkplatz, denn auch diese Stadt ist geprägt von Studierenden, die während der Sommerferien nicht zu sehen waren. Wir suchten ein nettes Café zum Frühstücken auf und machten uns anschliessend auf unsere Stadtentdeckungsreise: Dom, Universität, Linnaeus-Garten und Museum, Universitätsbibliothek Carolina Rediviva. Der Dom gilt als grösste Kathedrale Skandinaviens und prägt mit seinen markanten Türmen das Stadtbild. Sie dient als Ruhestädte schwedischer Könige wie Gustav Wasa. Die Universität wurde im Jahr 1477 gegründet und war die nördlichste Universität Europas. Sie wurde zwar restauriert und vergrössert, doch wurden die Grundelemente z.B. im Lesesaal belassen, sodass man einen guten Eindruck von der damaligen Universität erhält. Carl von Linné war ein berühmter Botaniker, der in Uppsala einen Teil seines Lebens verbracht und in seiner Gartenanlage Pflanzen aus der ganzen Welt angebaut und studiert hatte. Ihm ist die Namensgebung vieler Pflanzen zu verdanken, die bis heute Anwendung findet. Die Universitätsbibliothek ist die älteste und grösste Universitätsbibliothek Schwedens und beherbergt die „Silberbibel“ („Codex Argenteus“), die aus dem 6. Jahrhundert stammt und die vier Evangelien in gotischer Sprache enthält. Es handelt sich um das umfangreichste erhaltene Zeugnis einer germanischen Sprache. Der Name leitet sich davon ab, dass der text mit Silber- und Goldtinte auf Pergament geschrieben wurde.

Uppsala hätte noch viel zu bieten gehabt und die Stadt hat uns ausserordentlich gut gefallen. Doch leider fehlte uns die Zeit, noch länger dort zu bleiben und so machten wir uns auf den Weg Richtung Stockholm, wo wir am nächsten Tag ankommen sollten.


Örebro (19.-20.7.)

Örebro ist die sechstgrösste Stadt Schwedens und gilt als lebendige Universitätsstadt. Von der Lebendigkeit haben wir allerdings nicht viel mitbekommen, da es zum Einen Sonntag war, als wir die Stadt besuchten, und zum anderen alle Studierenden die Stadt während der Ferienzeit verlassen haben. Viele Cafés waren geschlossen und so mussten wir unser Frühstück / Mittagessen in einer „Öl-Halle“ (Bierhalle) zu uns nehmen. Das Bier war lecker, das Essen definitiv nur mittelmässig. Danach schlenderten wir durch die ganze Stadt und jagten den diversen Kunstwerken und Skulpturen nach, die sich alle zwei Jahre während der Kunstbiennale „OpenArt“ in Örebro verteilen. Die Ausstellung hat uns sehr gut gefallen und regte zum Denken an, da das übergeordnete Thema eine sich rasch wandelnde Welt und Gesellschaft sowie Nachhaltigkeit war.


Falun (18.-19.7.)

Am kommenden Morgen erwachten wir bei 14 Grad und Regen. Alles wurde bereits am Abend vorher eingepackt, sodass wir in warmen Kleidern gleich lostuckern konnten. Wir machten einen Mittagszwischenstopp in einem herzigen Café im Wald, bevor wir uns die Kupfermine von Falun anschauten. Die Kupfermine war über Jahrhunderte hinweg eines der bedeutendsten Bergwerke Europas und ist heute ein UNESCO-Weltkulturerbe. Der Kupferabbau trug massgeblich zum Aufstieg Schwedens zur europäischen Grossmacht bei. Im 17. Jahrhundert deckte die Mine rund zwei Drittel des europäischen Kupferbedarfs. Aus den Pigmenten der kupferarmen Erze entstand das typische Falunrot, die Farbe, die bis heute die Fassaden der schwedischen Holzhäuser ziert. Die Farbe diente nicht nur zum Schutz der Fassaden, sondern war auch Symbol von Reichtum, da sie die Backsteinhäuser anderer europäischen Länder imitierte. Nach fast einem Jahrtausend ununterbrochener Nutzung wurde der kommerzielle Bergbau im Jahr 1992 eingestellt.

Die Nacht verbrachten wir an ruhiger Lage in einem Naturschutzgebiet mit zwei anderen Bernern und hatten die Möglichkeit, uns und unser Büssli für die nächsten Etappen zu versorgen.


Naturcamping (17.-18.7.)

Bevor das Wetter definitiv umschlagen sollte, wollten wir (oder vor allem ich) einmal in der Natur und ohne jegliche Infrastruktur und idealerweise auch Menschen übernachten. Damit das gelingt, muss man relativ früh den gewünschten Platz erreichen, da diese Örtchen sehr beliebt sind und enorm viele Wohnmobile unterwegs sind, die genau das suchen. Am gewünschten Ort angekommen, trafen wir auf ein schwedisches Pärchen, das sich eine Pause vom in der Nähe stattfindenden Tanz- und Musikfest gönnte. Sie verliessen bald daraufhin den Platz und überliessen ihn uns freundlicherweise. Wir genossen den ruhigen Abend mit wunderbarem Ausblick mit einem Feuer, Gitarrespielen, Singen und guter Atmosphäre.


Åmål & Värmlandsnäs Peninsula (16.-17.7.)

Am frühen Morgen packten wir unsere Sachen und fuhren Richtung Åmål, einer kleinen Stadt am Vänernsee. Einigen mag der Name vielleicht aus dem Film „Fucking Åmål„ aus dem Jahr 1998 bekannt sein, welcher zwar nicht in Åmål selbst, sondern im Nahe gelegenen Trollhättan gedreht wurde. Im Film geht es um die Frage, was eine Jugendliche in einem abgelegenen schwedischen Dorf wie Åmål macht, welche Perspektiven sie hat und wie sie mit der Einsamkeit umgeht (jedenfalls ist das meine Erinnerung an den Film, den ich vor langer Zeit gesehen habe). Beim Besichtigen des Städtchens konnte der Inhalt des Films umso besser nachvollzogen werden, denn da gibt es grundsätzlich nichts. Fast leere Strassen, keine Restaurants, dafür einen Einkaufsladen und daneben ein „Systembolaget“, in dem man Alkohol kaufen kann (was es dort wohl braucht), ein kleiner Park, ein herziger Strand und eine Kirche. Immerhin ein kleiner Handwerksladen konnten wir ausfindig machen, in dem sich Corinne eine Wollkappe (bei 30 Grad!) kaufte, die sie in wenigen Tagen noch gebrauchen würde.

Somit war der Ort schnell besichtigt und wir konnten weiterziehen auf die Halbinsel Värmlandsnäs, wo wir auf einem kommuneähnlichen Campingplatz nächtigten. Bezahlen darf man nichts, wenn, dann soll man helfen oder etwas mitbringen. Aber eigentlich sind einfach alle willkommen, die es gut zusammen haben möchten. Wir nahmen das noch schöne und warme Wetter zum Anlass, an den See zu spazieren und das erste Mal (und wahrscheinlich auch das letzte Mal) im See zu baden. Danach hielten wir es nicht mehr lange aus, denn wir wurden von Bremsen in allen Grössen und Farben attackiert, was den Aufenthalt etwas ungemütlich machte. Landschaftlich war es aber einmal mehr wunderschön und wir freuten uns auf mehr!


Camping in der Nähe von Gillbo (14.-16.7.)

Nachdem wir nun schon viel gesehen hatten und oft weitergezogen sind, überkam uns das Bedürfnis nach Ruhe, lesen, chillen und einfach mal zu sein. Wir steuerten deshalb auf einen „Campingplatz“ bei Sven und Michaela zu, die auf ihrem Grundstück Platz für drei Fahrzeuge zur Verfügung stellen. Der Ort war wunderschön, neben uns ein Blumenfeld mit fast kitschiger Aussicht. Es war unheimlich ruhig und obwohl wir die Seenlandschaft rund um uns gerne erkundet hätten, mussten wir einfach mal nichts tun, ausser die nötigsten Dinge wie Kochen, Duschen, Handwäsche der Kleider etc. Die zwei Tage in dieser Oase haben uns richtig gut getan und halfen, zu entschleunigen und unsere weitere Reise zu planen.


Smögen & Tanumshede (13.-14.7.)

Von der Pferdefarm ging es wieder zwei Stunden zurück an die Westküste, an der wir das schmucke Dörfchen „Smögen“ besuchten, das zum St. Tropez von Schweden verkommen zu sein scheint. Man kann verstehen, dass dieser Ort so touristisch geworden ist, wie er heute ist, was die Parkplatzsuche fast unmöglich machte und auch die Freundlichkeit der Leute zu beeinflussen scheint. Der Ort ist wunderschön in einer Schärenlandschaft gelegen und verfügt über einen Jachthafen mit einer Holzpromenade (Smogenbryggan) mit zahlreichen malerischen Geschäften und Einkehrmöglichkeiten. Wir genossen unser Mittagessen, spazierten der Promenade entlang und entschlossen uns schliesslich, die Touristenregion nun definitiv zu verlassen und ruhigere Gefilde aufzusuchen.

Bevor wir ins Landesinnere stachen, besuchten wir aber noch Tanumshede, in dessen näheren Umgegung mehrere Stellen mit Felszeichnungen vorzufinden sind, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehören. Entstanden sind sie während der Bronzezeit ca. 2000 – 500 Jahre BC. Die Zeichnungen liessen sich über einen erneut wunderschönen Wanderweg erkunden, was den Tag sehr schön abrundete und den Trubel von Smögen vergessen liess.

Einen Schlafplatz fanden wir bei Ida, die drei Stellplätze neben ihrem Haus anbietet, die wunderschön gelegen sind. Einen gemütlichen und ruhigen Abend und insbesondere Nacht durften wir dort verbringen.


Hindens Rev Nature Reserve (12.7.-13.7.)

Am Sonntag machten wir einen längeren Abstecher an die Südküste des grössten Sees in Schweden, des Vänernsees, wo wir auf einer fünf Kilometer langen Landzunge in den See hineinliefen. Der Wanderweg durch die Wald- und Heidelandschaft war wunderschön, die Landzunge wurde immer schmäler, bis wir schliesslich gefühlt mitten im See standen, wo sich die beiden Seeseiten, die unterschiedlicher nicht sein könnten, trafen.

Die Nacht verbrachten wir auf einer Pferdefarm, die wunderschön gelegen und für unser Auge typisch schwedisch war. Wie wir es bis anhin gewohnt waren, waren auch diese Sanitäranlagen äusserst sauber, sodass man sogar die Schuhe ausziehen musste, bevor man den Raum betrat (man kann es auch übertreiben ;-)). Nicht nur die Sanitäranlagen sind in Schweden gepflegt, auch jeder Garten, jeder Rasen ist perfekt, sodass man manchmal das Gefühl hat, in England zu sein. Alles ist minutiös angeschrieben und markiert, es gibt viele Verbots- und Hinweisschilder, die erklären, wie man sich richtig zu verhalten hat. Wer (wie ich und wir) auf Reisen gerne auch mal das Chaos sucht, dem ist es in Schweden wohl ein bisschen zu perfekt. Immerhin das Lieblingsgadget der Schweden konnten wir ausmachen: Es müssen die selbstmähenden Rasenmäher sein ;-).


Pilane & Skärhamn (11.-12.7.)

Irgendwie hatten wir immer noch das Gefühl, nicht wirklich vorwärts gekommen zu sein und haben uns lange überlegt, ob wir Götheborg besuchen sollten. Da wir aber eher das Bedürfnis nach Natur als nach Städten hatten, entschlossen wir uns, Götheborg nicht zu besuchen und stattdessen weiter in den Norden zu ziehen. Wir liessen auch die vom Reiseführer empfohlenen Inseln links von der Stadt aus, um den Touristenströmen etwas auszuweichen und besuchten die etwas nördlicher gelegene Insel Tjörn, auf der wir in Pilane einem Kunst- und Kulturpfad folgten, der uns sehr gefiel. Verschiedene Skulpturen des Künstlers Tony Cragg sowie diverser anderer Künstler*innen waren in einem schönen Naturgebiet aufgestellt und liessen sich auf einer gut stündigen „Wanderung“ erkundigen. Vor allem beeindruckt hat uns „Anna“, der weisse Kopf des katalanischen Künstlers Jaume Plensa.

Danach besuchten wir das kleine und herzige Fischerdorf „Skärhamn“ auf der selben Insel, gönnten uns ein ultra leckeres Crevetten-Sandwich und danach eine viel weniger leckere Galcé. Wir dachten, wir müssten es den Schweden gleichtun, die man ständig mit einem Eis irgendwo sitzen und herumlaufen sieht – auch bei kalten Temperaturen. Letztere wurden zunehmend angenehm und auch wir konnten die Sommerkleider hervor nehmen.

Wir verbrachten erneut relativ viel Zeit damit, eine Schlafmöglichkeit zu suchen, denn die Hochsaison resp. Campingsaison in Schweden ist in vollem Gange, die Campingplätze sind riesig und komplett überladen, sodass sie weniger Charme kaum haben könnten und zumindest mich keineswegs reizen, und die schönen Naturplätze sind oft schon besetzt, zumal es in dieser Region nicht sehr viele davon gibt. Schliesslich haben wir aber einen abgelegenen Platz bei einem verlassenen Bauernhof gefunden, wo wir nächtigen konnten. Es war herrlich ruhig und wir verbrachten da die erste wirklich erholsame Nacht.


Nature Reserve Hagön & Camping (9.7.-11.7.)

Uns zog es immer wie mehr gegen Norden, da uns der Süden fast zu bevölkert war und wir vorwärts kommen wollten. Auf halber Strecke zwischen Mölle und Götheborg legten wir einen Zwischenstopp im Naturreservat Hagön ein, das eine Heide- und Dünenlandschaft direkt am Meer war. Wir spazierten gemütlich dem Meer entlang, fanden uns plötzlich im FKK-Gebiet wieder und überlegten uns noch kurz, ob wir die Kleider ablegen und uns ins Meer stürzen wollten. Für unser Empfinden waren aber die Temperaturen definitiv nicht fürs Baden gemacht (immer noch langärmlig unterwegs) und vor allem der Wind half nicht, die Badelust zu entwickeln. Wir entschlossen uns für ein kurzes Picknick und spazierten weiter durch die Dünelandschaft, bevor wir einen Halt auf einem Camping in der Nähe von Varberg machten. Da es für einmal ein etwas kleinerer und gemütlicher Campingplatz war und wir eine Pause brauchten, blieben wir da zwei Nächte.


Mölle & Bjärenkusten Nature Reserve (8.-9.7.)

Bevor wir Magnus und Linda hinter uns lassen konnten, brauchte wir noch ihre Hilfe. Die Batterie des Campers erhitzte sich über Nacht so stark, dass wir am Morgen einen unangenehmen Geruch vorfanden. Nach kurzen Recherchen war uns schnell klar, dass wir diese wohl ersetzen mussten. Magnus war unheimlich hilfsbereit und rief bei mehreren Garagen an, die aber alle ausgebucht bzw. Kurz vor den Ferien standen. Schliesslich klappte es doch und wir fuhren zu einem Fachhändler, der uns eine (sehr teure – also Schweizerpreise) Batterie verkaufte. Das Geschäft gegenüber baute sie uns schliesslich (gratis und franko) ein und wir konnten im Nu wieder weiterfahren.

Wir machten uns auf den Weg nach Mölle, ein altes Fischerdorf, jetzt eher Badeorte und Keramikstadt. Ein kurzer Halt machten wir in einem idyllischen Restaurant mit Garten und Keramikladen, bevor wir den kleinen Hafen erkundeten. Wenig begeistert (da mittlerweile eher Bade- und Touristenort) machten wir uns weiter auf den Weg in ein Naturreservat, bekannt für seine rötlich gefärbten Felsen an der Küste. Ein wunderschöner Weg bzw. Abstieg führte uns durch Heidelandschaften an die Küste, an der wir einen Moment innehalten und die Natur geniessen konnten.

Den Abend und die Nacht verbrachten wir auf einem wunderschönen Stellplatz direkt an Meer, wo es zwar relativ viele Camper hatte und trotzdem schien sich niemand an den anderen zu stören. Das ist auffallend hier: die Leute sind sehr respektvoll, ruhesuchend und friedlich. Nach einem wunderschönen Sonnenuntergang verbrachten wir eine ruhige Nacht…


Malmö und Lund (7.7.)

Wir trotzten dem garstigen Wetter und erkundeten die Stadt Malmö. Es ging am „Malmöhus“ vorbei, einer Burg aus dem 16ten Jahrhundert, die in der Zwischenzeit sowohl als Residenz für dänische Könige als auch als Gefängnis fungierte. Der Hunger führte uns aber daran vorbei, direkt in ein sehr nettes Café „Noir“, in dem wir wunderbar frühstückten. Die drittgrösste Stadt Schwedens hat einen Kleinstadtcharakter mit gemütlichen Plätzen, Läden und schönen Backsteinhäusern. Der berühmte „Turning Torso“, ein neo-futuristischer Wolkenkratzer mit 190m Höhe sahen wir nur von Weitem, war aber trotzdem eindrücklich. Mir war es aber vor allem wichtig, „the knotted gun“ zu sehen, die eigentlich in New York steht. In Malmö ist sie im Miniaturformat zu sehen, so klein, dass wir fast daran vorbeigelaufen wären. In Zeiten des Krieges scheint mir dieses Symbol doch ausgesprochen wichtig!

Da wir noch genügend Zeit hatten und die Distanzen bis anhin klein waren, erkundeten wir noch die kleine Stadt Lund. Vom Parkplatz aus ging es durch einen schönen und grosszügigen Stadtpark (das haben sie im Norden wirklich im Griff, die schönen Parks in den Städten!) Richtung Altstadt und Kirche, vor der eine Ausstellung, genannt „we have a dream“, vorzufinden war. Sowohl die Kirche an sich mit ihren verborgenen Gräbern sowie die Ausstellung waren gelungen und haben uns sehr gefallen.

Anschliessend suchten wir uns einen ruhigen Stellplatz ein bisschen abseits und wurden bei Magnus & Linda fündig, die einige Parkplätze vor „ihrer Farm“ anboten. Den Abend konnten wir aber leider erneut nur drinnen verbringen, denn obwohl der Regen endlich aufgehört hatte, bliess ein heftiger Wind mit 40km/h, der ein draussen sein bei Temperaturen immer noch unter 20 Grad verunmöglichte.


Ankunft in Trelleborg / Falsterbo (6.-7.7.)

Nach dem ersten Temperatur- und Wetterschock (16 Grad und regnerisch) suchten wir uns erstmals eine Bäckerei, wo wir etwas frühstücken konnten. In „Anna‘s Bageri“ wurden wir schnell fündig und nett auf Schwedisch begrüsst. Unser erster Halt sollte auf Falterbo sein, ein Natur- und Vogelgebiet in der Nähe des Hafens. Wir waren aber so durch, dass wir zuerst noch einmal ein paar Stunden schlafen gingen. Aufgewacht war das Wetter noch schlechter, also schlenderten wir ein wenig durch den kleinen Ort mit Hafen und ein paar Restaurants, gönnten uns ein Mittagessen und staunten ab den Schwed*innen, die mit kurzen Hosen und Glacé essend die Zeit genossen. Mir war es eher nach einer warmen Suppe, aber dieses Bedürfnis blieb unerfüllt.

Wir machten einen ersten Einkauf, beim dem wir uns die erste saftige Parkbusse einholten (rund 110 Euro!), da wir vor der Bibliothek (auf dem Parkplatz vor dem Supermarkt gab es keine Plätze mehr) und auf einem Parkplatz für Elektroautos (was wir wirklich nicht gesehen hatten) parkten. Danach gingen wir zurück zum Van, um in den Reiseführern zu blättern, erstmal anzukommen und zu realisieren, wo wir sind. Wir entschlossen uns, die Erkundung Falsterbos wegen des Wetters auszulassen und am nächsten Tag weiter nach Malmö zu ziehen.


Anreise – Einmal quer durch Deutschland (4.-6.7.)

Am Samstagmittag ging es nach den letzten Vorbereitungen los Richtung Deutschland. Tatsächlich hatte ich etwas Respekt vom Fahren mit unbegrenzter Geschwindigkeit bzw. Vor den anderen, die das tun, was sich dann in den ersten Stunden auch als herausfordernd herausstellte, schliesslich aber ganz gut ging. Einen ersten Zwischenhalt machten wir nach einigen Fahrstunden unterhalb von Darmstadt auf einem netten Camping im Grünen. Am nächsten Morgen führte uns der Weg nach Travemünde, wo unsere Fähre am Abend fuhr. Für ein kurzes Nachtesssen in der Nähe vom Hafen blieb noch Zeit. Danach ging es Richtung unübersichtlicher Hafen. Diese Fähren machen mich immer etwas nervös, aber im Gegensatz zu Italien gab es nun zusätzlich keine Menschen, die man hätte fragen können, ob man denn am richtigen Ort ist. Einzige angeschrieben war die Fähregesellschaft, aber da von Travemünde Fähren nach Finnland und diverse Orte in Schweden ablegen, wussten wir eigentlich bis zum Schluss nicht ganz sicher, ob wir denn nun auf der richtigen Fähre angekommen sind. Alles wurde über Maschinen und Apps abgewickelt, was nur ein Vorgeschmack auf Schweden sein sollte…

Die Überfahrt ging problemlos. Am Morgen wurden wir über die Lautsprecher mit dem Song „Here comes the sun“ geweckt, was einen guten Start in den neuen Tag war. Good morning Sweden! – auch wenn die Sonne weit und breit nicht zu sehen war…