Cambodia

30. Oktober – 2. November 2017 – Phnom Penh #2

Nach dem Abstecher nach Kratie kamen wir nochmals für ein paar Tage nach Phnom Penh zurück. Die Hauptattraktionen hatten wir bereits bei unserem ersten Besuch abgeklappert, also schlenderten wir einfach noch etwas durch die Stadt, liefen an Märkten vorbei, fotografierten total überladene Fahrzeuge, allem voran Mofas, und bewunderten einige schöne Gebäude, z.T. aus der Kolonialzeit, wie zum Beispiel das Postgebäude. Dass es eine Architektur-Tour gegeben hätte, fanden wir leider zu spät heraus und konnten das deshalb leider nicht mehr machen. Dafür meldeten wir uns für den zweiten Tag an einem Kochkurs an, der auf dem lokalen Markt anfing und alle Zutaten gekauft wurden. Anschliessend wurde ein feiner Mangosalat, ein traditionelles Amok und zum Dessert ein Chek Ktis zubereitet. Das Kochen machte riesig Spass, einzig die Kursleiterin hätte noch etwas an ihren erwachsenenpädagogischen Fähigkeiten arbeiten können, aber wir waren diesbezüglich wahrscheinlich auch nicht gerade die unkritischsten Kunden. Total überessen verliessen wir das Kochatelier, das übrigens von einem Schweizer Ehepaar geführt wird und verbrachten den Rest des Tages im Hotel am Pool. Am dritten und letzten Tag waren wir ebenfalls nicht mehr sehr abenteuerlustig. Ich versuchte mal noch meine Unterwasserkamera zu flicken, nahm ein Tuk-Tuk vorbei an der riesigen russischen Botschaft und ging in ein Nikon Geschäft, das mir aber leider nicht weiterhelfen konnte. Statt dessen gab mir die nette Verkäufern zwei Visitenkarten von Fotogeschäften mit, deren Adresse ich aber leider nicht lesen konnte. Ich dachte, wenn die die Visitenkarten schon nicht auf Englisch übersetzten, wie sollten die Verkäufer dann mein Anliegen verstehen? Ich beschloss also, es sein zu lassen und ins Hotel zurück zu laufen und überliess es dem Zufall, ein Fotogeschäft auf dem Weg zu entdecken, ich hätte nur die Strasse mit dem Elektronischen finden müssen. In Kambodscha ist es meistens so, dass man ganz lange keinen Fruchtstand sieht, dann aber plötzlich zehn aneinander gereiht sind. Dasselbe gilt für Coiffeure, Schuhläden, Reisebüros und eben auch Elektronisches. Man fragt sich da einzig, wie die Geschäfte konkurrenzfähig bleiben. Als erstes kam ich aber dann in das Viertel mit den Mofa- und Autoersatzteilen. Man hätte sich wahrscheinlich für die nächsten hundert Jahren mit Vergasern und Motoren eindecken können, ich dachte aber, dass das nicht das wünschenswerteste Souvenir sein würde ;-). Weiter ging’s Richtung Blumen- und Dekoviertel. Ich war mir nicht sicher, ob die Blumen für das Schmücken von Häusern oder Gräbern gedacht waren, der Anblick war auf jeden Fall schön. Schliesslich traf ich dann auf die Strasse mit der Elektronik. Die Läden dort wollten einem aber nur Klimaanlagen, Kühlschränke, Tresoren und Fernseher verkaufen, wo ich für mich gerade keinen Bedarf sah.

Auch wenn erfolglos, habe ich den Irrweg im Regen durch die Stadt trotzdem genossen und wenigstens gab’s vor dem Eintreffen im Hotel noch ein kühles Bier. Eine Bierstrasse gibt’s zwar noch nicht, sonst hätte ich diese den Mechanik-, Blumen- und Elektronikstrassen wohl vorgezogen.


28. – 30. Oktober 2017 – Kratie

Eigentlich gab es nur einen einzige Grund, weshalb wir uns die fünfstündige Busfahrt nach Kratie angetan hatten: Die Irrawady Delfine im Mekong. Aber mal ganz von vorne. Die Übernachtungsmöglichkeiten in Kratie sind gezählt und so buchten wir ein Zimmer im Guesthouse „The Balcony“, welches als „Boat Cabin“ ausgeschrieben war. Ohne zu wissen, was uns da erwartet, kamen wir im schliesslich sehr netten Hostel an. Das Zimmer war dann auch nicht auf einem Boot, dafür hatte es einen Balkon mit Hängematte, zwei von vier Wänden liessen sich mittels Schiebetüren öffnen und das Ganze kostete uns pro Nacht gut investierte 8.- Fr. (für zwei Personen versteht sich). Wir genossen den Sonnenuntergang direkt vom Guesthouse aus und assen in einem Lokal, welches als Trainingscenter für Serviceangestellte gilt und unterstützten damit ein sinnvolles Projekt. Am kommenden Tag mieteten wir ein Tuk-Tuk mit Fahrer und tukerleten am Mekong entlang vorbei an typischen kambodschanischen Stelzenhäusern bis nach Sambour zur „100-Columns Pagoda“, die ihren Namen den 116 Säulen verdankt, die sie tragen. Der nächste Halt war Kampi, wo wir mit einem Boot den Mekong hinauffuhren zu den lang ersehnten Irrawady Delfine. Wir hatten das Glück noch vor dem Touristenrummel bei den Delfinen anzukommen und sie so wenigstens einen kurzen Moment „nur für uns zu haben“. Zum Abschluss unserer Tour wollten wir eigentlich noch die Pagoda „Phnom Sombok“ besuchen, unser Aufstieg wurde aber nach der ersten Terrasse von fauchenden Affen verhindert. Tatjana, die schon eine Affenattacke hinter sich hatte, war skeptisch, ich wollte es aber mit Holzstab als Waffe nochmals versuchen, doch die Tiere waren zu aggressiv. Also machten wir rechts und kehrt und fuhren ins Guesthouse zurück, wo uns ein weiterer, atemberaubender Sonnenuntergang erwartete. Den restlichen Abend verbrachten wir mehrheitlich an der Bar, wo sich ein paar weitere Gäste ansammelten und sich schliesslich ein gemütlicher Abend ergab. 


24. – 28. Oktober 2017 – Phnom Penh

Was als erstes auffällt in der Hauptstadt Kambodschas ist der undurchlässige Verkehr, der das Überqueren der Strasse zu einer Herkulesaufgabe macht. Man gewöhnt sich jedoch ziemlich schnell daran und braucht grundsätzlich einfach etwas Mut ;-). Am ersten Tag besuchten wir das „S-21 – Tuol Sleng Genocide Museum“, ein trauriges Kapitel der Geschichte Phnom Penh’s und ganz Kambodschas. Einst eine ehemalige Schule wurde es während 1975 – 1979, während der Herrschaft der Roten Khmer als Gefängnis und Folterzentrum genutzt. Insassen wurden unter unmenschlichen Bedingungen festgehalten, unter Folter zu Geständnissen für Taten gezwungen, die nie begangen worden sind, bis sie dann schliesslich auf den „Killing Fields“ dem bitteren Ende ins Auge blickten mussten. In der oben genannten Zeit wurden zwischen 14’000 und 20’000 Menschen aus allen Teilen Kambodschas inhaftiert, auch Mitglieder der Roten Khmer selbst, die für die Führung als Verräter galten. Insgesamt sieben Insassen haben die Katastrophe überlebt, da sie Fähigkeiten besassen, die für die Roten Khmer von Bedeutung waren. So zum Beispiel ein Mechaniker und ein Bildhauer. Der ehemalige Leiter des Folterzentrums „Kaing Guek Eav“, bekannt unter dem Pseudonym „Duch“ wurde 2007 im Rahmen des sogenannten „Rote-Khmer-Tribunals“ zu 35 Jahren Haft verurteilt, das Strafmass wurde 2012 in einem Revisionsverfahren jedoch auf lebenslänglich erhöht. Erschreckend ist, dass „Duch“ der einzige der Überlebenden ist, der Geständnisse abgelegt und seine Handlungen bereuend anerkennt hat. Um die Geschichte noch gleich fortzusetzen, besuchten wir am nächsten Tag „Choeung Ek,“ eines von  mehr als dreihundert „Killing Fields“ oder Stätten in Kambodscha, in denen nach Schätzungen mehr als 100’000 Massenmorde durchgeführt wurden. Um Munition zu sparen wurden die Gelieferten auf brutalste Weise umgebracht, mit Schaufeln erschlagen, mit Macheten aufgeschlitzt und Babys an einen Baum geschmettert und anschliessend in ein Massengrab geworfen. Die Kleinsten wurden umgebracht, damit sie später keine Rache für umgebrachte Familienmitglieder an den Verantwortlichen nehmen können. Noch heute ragen immer wieder Knochen und Kleider aus der Erdoberfläche, die ein paar Mal im Jahr gesammelt und in Vitrinen aufbewahrt werden. Der Ort stimmt nachdenklich und bedrückt, aber zum Schluss wird die berechtigte Frage gestellt: Wie kann ein solches Massaker in Zukunft verhindert werden? Wie können andere Länder intervenieren, ja überhaupt merken, dass etwas so Brutales in einem Land vor sich geht? Einige kommunistische Sympathisanten Schwedens waren während der Schreckensherrschaft in Kambodscha zu Besuch, berichteten aber nur Gutes und nahmen die Regierung von Pol Pot als Vorbild für kommunistische Staaten wahr. Nach dem Einmarsch der Vietnamesen und somit der Erlösung der Herrschaft der Roten Khmer 1979 wurde Pol Pot, der Führer der Roten Khmer, bis 1992 von Europa und anderen Ländern als Verhandlungspartner und Sprecher Kambodschas akzeptiert, ja sogar ein Sitz in UN-Rat hatte er inne. Den Vietnamesen, die die Opposition gründeten und eine neue Regierung zusammen mit Kambodschanern stellten, wurden nicht akzeptiert auf Grund des Vietnam Kriegs, der ebenfalls soeben zu Ende gegangen war. Nach all diesen Bildern und Informationen: Let’s hope this will never happen again!

Nebst diesen zwei unschönen Sehenswürdigkeiten besuchten wir auch den „Royal Palace“, die „Silver Pagoda“ und den „Wat Phnom“, alles eindrückliche und geschichtsträchtige Gebäude. Zwischendurch gab’s mal wieder ein Apéro am Fluss oder einen Cocktail auf einem Hochhaus, um die Aussicht über die Stadt zu geniessen, einen Besuch am „Russian Market“ und Besichtigungen kolonialer Gebäude. Egal wie hektisch die Stadt zum Teil scheint, ein Lächeln bleibt immer übrig und die Leute sind durch und durch freundlich und wohlwollend. 


19. – 24. Oktober 2017 – Kampot

Für unseren Aufenthalt in Kampot hatten wir eigentlich weniger Zeit einberechnet, es hat uns aber so gut gefallen, dass wir zwei Nächte länger als geplant geblieben sind. Am Tag der Ankunft waren wir wie immer nach diesen Mini-Bus Trips ziemlich geschafft und suchten uns deshalb „nur“ ein nettes Café, in dem wir Pläne für die kommenden Tage schmieden konnten. Im „Bookish Bazaar“ gab’s jede Menge Bücher zum Kaufen, Tauschen oder Lesen. Eine tolle Idee, nur Lonely Planets of Cambodia nahmen sie nicht mehr in ihr Sortiment auf, da es schon unzählige Deutsch- und Englischversionen hatte. Am kommenden Tag mieteten wir gerade für die nächsten drei Tage einen Roller und kundschafteten „Bokor Hill“ aus. Die wunderschöne Passstrasse führte uns auf einen Hügel mit bizarrem Anblick. Zum einen stehen dort das alte Hotel, das ursprünglich den Franzosen als Ort diente, um von der Hitze im „Unterland“ zu fliehen, einige Hausruinen, die als letztes von den Khmer Rouge genutzt wurden sowie das neue, von den Chinesen erbaute Casino und einige Häuser. Die Chinesen haben diesen Hügel in einem 99-jährigen Vertrag geleast und planen wohl so etwas wie ein Resort daraus zu machen. Es schien aber eher eine Illusion als Realität zu sein. Auch eine wunderschöne, mit Moos überwachsene Kirche sowie einen Wasserfall fanden wir vor. 

Am darauffolgenden Tag machten wir einen Ausflug nach „Kep“ und in den „Kep National Park“, in dem wir eine 8km lange Wanderung durch den Regenwald machten und wunderbare Aussichten genossen. Zurück in Kep besuchten wir den Fish Market, auf dem buntes Treiben herrschte, die Fischer den Fisch direkt aus dem Meer zogen, kochten und anschliessend in allen möglichen Arten verkauften. Weiter ging’s an einigen Statuen entlang und nordwärts Richtung „Sothy’s Pepper farm“. Wir wurden durch die Pfeffer Plantage geführt und Erklärungen zum einzigartigen „Kampot Pepper“ wurden abgegeben. Der Pfeffer wird ausschliesslich biologisch angebaut, gemäss unserem Tour Guide mit Kuhfladen und Fledermausausscheidungen gedüngt und mit einer Mischung aus drei verschiedenen Pflanzenarten gedüngt. Eine davon ist der „Niembaum“, der früher als Heilmittel gegen Malaria gedient hatte.  Vier verschiedene Endprodukte werden unterschieden: Grüner, frischer Pfeffer, der nur zehn Tage haltbar ist, ausser man misch in mit Salz, roter, weisser und schwarzer Pfeffer. Es gibt grundsätzlich aber zwei verschiedene Pfefferarten: der grüne und der rote Pfeffer. Von einem Pfefferbund sind nur ca. 20% rot, der Rest ist grün. Wird der grüne Pfeffer getrocknet, entsteht daraus schwarzer Pfeffer. Wird der rote Pfeffer, der eher eine süssliche Note hat, geschält, entsteht weisser Pfeffer. Die Produkte werden hauptsächlich nach Europa, USA und Japan exportiert, wo sie häufig auf den Tellern in Gault Millau Restaurants landen.
Geschafft fuhren wir anschliessend den Weg nach Kampot zurück, um am Flussufer den Sonnenuntergang zu beobachten resp. den Untergang verpassten wir, aber schön war es trotzdem ;-). 

Am dritten und letzten Tag auf zwei Rädern besuchten wir eine weitere Pfefferplantage „La Platation“, auf der nicht nur Kampot Pfeffer, sondern auch lange Pfefferschoten und Kurkuma angebaut wird. Die Führung und Informationen waren erneut sehr interessant und lehrreich. Um drei Uhr nachmittags wurden wir dann von „Bart the Boatman“ in Kampot abgeholt und auf dem „Preaek Tuek Chhu River“ während drei Stunden herum chauffiert. Das war ein unglaublich tolles Erlebnis, konnte er mit seinem kleinen Gefährt winzige, von Palmen umgebene Nebenflüsschen ansteuern, die mit den normalen „Sunset Cruises“ nicht zugänglich gewesen wären. 

Nebst diesen Ausflügen hatte Kampot auch sonst allerlei zu bieten, allem voran die vielen herzigen Cafés und Restaurants, tolle Projekte, die benachteiligte Personen begünstigen oder für faire Arbeitsbedingungen sorgen. So zum Beispiel die kleine Kleiderfabrik, die wir am letzten Tag anschauten, in denen die Arbeiter/innen zu für uns üblichen Arbeitszeiten arbeiten, Pausen inkludiert haben, eine Küche zur Verfügung haben, versichert sind und Mutter- resp. Vaterschaftsurlaub bekommen. 


12. – 19. Oktober 2017 – Sihanoukville / Koh Rong Island

Am frühen Morgen des 12. Oktobers ging’s mit dem MiniVan über Phnom Penh nach Sihanoukville, welches im Südwesten von Kambodscha liegt. Ganze elf Stunden hat diese recht ermüdende Reise gedauert, aber schliesslich kamen wir um neun Uhr abends in unserer, man kann’s nicht anders sagen, Absteige an. Für eine Nacht war’s trotzdem okay und am nächsten Morgen ging’s dann mittels Schiff auf die ca. 25km entfernt gelegene Insel „Koh Rong“, wo wir ein hübsches Bungalow direkt am Strand reserviert hatten. Wir freuten uns auf ein paar entspannte Tage, was sie dann tatsächlich auch waren. Wir haben so ziemlich nichts gemacht ausser gut gegessen, ein paar Cocktails geschlürft, Gitarre gespielt und den weissen Sandstrand und das kristallklare Wasser genossen. Zwei Kätzchen hatten wir auch gleich adoptiert, „Amok“ und „Angkor“, die wir aber dann schweren Herzens doch zurücklassen mussten. (Amok ist übrigens ein kambodschanisches Nationalgericht.) Wir hätten es noch lange ausgehalten, hatten unseren Aufenthalt sogar noch um einen Tag verlängert, aber schliesslich warten noch andere Entdeckungen auf uns. Am 18. ging’s dann wieder zurück auf’s Festland, dieses Mal landeten wir aber in einem hübscheren Hotel, wo wir aber schliesslich nicht viel anderes machten als, wäre hätte es gedacht, Cocktails schlürften ;-). 


10. – 12. Oktober 2017 – Battambang

Die zweitgrösste Stadt Kambodschas (nach Phnom Penh; ca. 200’000 Ew.) wirkt trotz seiner Grösse ruhig und gemütlich. Wie in Kambodscha üblich, gehört die Architektur aus der französischen Kolonialzeit (1863 – 1953) zum Stadtbild, mit einigen am besten erhaltenen Gebäuden im ganzen Land. Wir nahmen dies zu Anlass und liefen den „Heritage Trail“ der Stadt ab, der uns an vielen in dieser Zeit erbauten Gebäuden vorbei führte. Am zweiten uns schon wieder letzten Tag unseres Battambang-Aufenthaltes, mieteten wir ein Tuk-Tuk für einen halben Tag und liessen uns in und um Battambang herumführen. Eindrücklich war ein kleines Fischerdorf, das von Muslimen, die in Kambodscha eine Minderheit darstellen, bewohnt wird. Die Lebensbedingungen, die ja schon im Allgemeinen relativ schlecht sind, schienen dort nochmals schlechter zu sein. Wir parkierten unser Tuk-Tuk und sahen uns ein wenig um, hatten unser Gefährt dann innert kürzester Zeit mit einer Schar von Kindern beladen, die das wohl nicht alle Tage zu Gesicht bekommen. Sie lachten und winkten uns zu als ob wir von einem anderen Planet kämen (naja, für sie mag das vielleicht sogar stimmen). Einen weiteren Stop machten wir bei dem ersten Weingut in ganz Kambodscha und degustierten einen Rotwein, Brandy (Grappa), Trauben- und Ingwersaft. Da letztere sehr gut schmeckten, erstaunt es nicht, dass der Rotwein mehr Ähnlichkeiten mit Essig als mit Rotwein wie wir ihn kennen aufwies. Der Brandy hingegen schmeckte gut, obwohl es erst 11 Uhr morgens war. Am frühen Nachmittag waren wir zurück von unserer Tour, wir waren aber beide müde und ich ziemlich erschlagen von all diesen Eindrücken, sodass wir uns einen gemütlichen Nachmittag im Hotel gönnten. 


05. – 10. Oktober 2017 – Siem Reap & The Temples of Angkor

Mit einem Bus, der durchaus westlicher Standard aufwies, fuhren wir von Bangkok nach Siem Reap. Die Organisation war exzellent, ein Angestellter führte die ganze Bande über den Zoll und kontrollierte vorgängig alle notwendigen Dokumente. Kaum hatten wir die Grenze von Thailand nach Kambodscha überquert, befand ich mich in einem leicht desillusioniertem Zustand. Die Lebensverhältnisse schienen katastrophal, bettelnde Kinder, Menschen, die Holzwagen vor sich herzogen, Mofas, die MiniVan Ladungen transportierten usw. Obwohl man solche Bilder des Öfteren schon gesehen hat und ja auch weiss, dass solche Zustände existieren, überkommt einem doch ein mulmiges Gefühl, wenn man es direkt vor Augen geführt bekommt. In Siem Reap sah die Welt dann schon wieder etwas anders aus, da sich die Stadt längst dem Tourismus angepasst hat und ebenfalls davon zu profitieren scheint. 

Am ersten Abend kundschafteten wir die Restaurants aus und erledigten einige organisatorische Dinge. Am zweiten Tag mieteten wir sogleich ein Electro Bike, besorgten uns den Pass zu den Tempeln von Angkor, der uns im Vergleich ein halbes Vermögen kostete und starteten unsere erste Tempel Tour zu den Tempeln „Banteay Kdei“, „Sra Srang“, „Ta Phrom“ und „Baphuon“. Die Impressionen waren einmalig, jeder Tempel auf seine Art eindrücklich, nur das Wetter machte während der ganzen Zeit nicht wirklich mit. Wir befinden uns immer noch in der Regensaison, mit dem Oktober als Regenfall-Rekordmonat ;-). Die nächsten zwei Tage verbrachten wir ebenso mit „rumtempeln“, am einen Tag wurden wir aber mittels Tuk-Tuk herumgeführt. Die Tour führte zuerst zu dem wohl bekanntesten aller Tempel „Angkor Wat“, den wir eigentlich bei Sonnenaufgang sehen wollten, was aber wegen bewölktem Himmel nicht gelungen ist und auch die Touristenmasse hätte das idyllische Bild wohl etwas getrügt. Die Weiterfahrt führte uns zu „Angkor Thom“, „Preah Khan“, „Jayatataka“, „East Mebon“ und „Pre Rup“. Am dritten Tag erhofften wir uns eigentlich eine Tempelpause, glaubten aber dann der Wettervorhersage, die Gutes versprach, und mieteten uns erneut ein Motorbike, mit dem wir den über 30km von der Stadt entfernten „Banteay Srei“  und auf dem Rückweg das „Landmine Museum“ besuchten, welches Hintergründe zu immer noch aktiven Minen in Kambodscha und der Welt liefert sowie die Art und Weise erklärt, wie diese deaktiviert werden und wie die Weltpolitik sich mit dem Thema beschäftigt. Die Fahrt stellte sich als abenteuerlich heraus, platzte auf der Hinfahrt wiedermal einen Reifen. Ich bin’s mir mittlerweile ja gewohnt ;-). Glücklicherweise befand sich  nur 200m entfernt einen Mechaniker. Dieser ersetzte aber leider nur den Schlauch, obwohl der Reifen dringend ersetzt hätte werden müssen. Das durften wir dann auf der Rückfahrt wieder zu spüren bekommen, da der Riss immer grösser wurde und wir schliesslich mit durchschnittlich 25km/h nach Siem Reap zurück holperten.  Am vierten und letzten Tag unseres Siem Reap’s Besuchs versuchten wir die Hintergründe zu all dem Gesehenen zu erfassen und besuchten das National Museum. 

Kambodscha ist wie so viele andere ein Land mit einer schrecklichen Geschichte, die auch heute noch allgegenwärtig ist. Zwischen 1975 und 1979 war das Land unter der Herrschaft der Roten Khmer, auf deren Kosten ca. 2’000’000 Menschenleben gehen; sie verübten an ihrem eigenen Volk einen Genozid, der einen Viertel der Bevölkerung auslöschte. Wer eine Brille trug oder eine Fremdsprache sprach, wurde hingerichtet. Andere verhungerten oder starben an Überanstrengung oder Krankheiten, die sich aufgrund der schlimmen Bedingungen ausbreiteten. 1979 marschierte die vietnamesische Armee ein und beendete die Herrschaft der Roten Khmer. Leider beendete das nur die Schreckensherrschaft, ging aber in einen Jahrzehnte langen Bürgerkrieg über, der erst in den späten 90ern beigelegt wurde. Überbleibsel aus diesen Konfliktjahren, aber auch noch aus Vietnamkriegszeiten, sind Landminen und nicht explodierte Sprengsätze und Bomben, die das Land übersähen. Nicht selten sieht man Menschen mit fehlenden Gliedmassen, weil sie in ihrem täglichen Umfeld (rund ums Haus, auf dem Feld, auf dem Weg zur Schule) auf eine Mine oder einen Sprengsatz gestossen sind, der unter ihnen explodierte. Das „Landmine Museum“, gegründet von Aki Ra, einem ehemaligen Kindersoldaten für die Roten Khmer und später Soldat für die vietnamesische Armee, zeigt eindrücklich die Geschichte und heutige Situation der UXO (unexplodedordnance = Blindgänger) und wie sie geräumt werden. Es gibt in Kambodscha mittlerweile mehrere Nonprofit-Organisationen, die sich der Räumung und Beseitigung von Minen und Sprengsätzen widmen. Prinzessin Diana war aktiv involviert und unterstützte die britische Organissation Halo. Die Schweiz übrigens steht an sechster Stelle aller Länder, die Kambodscha jährlich finanziell bei diesem wichtigen Unterfangen unterstützen; für die Jahre 2011-2015 wurden $ 92 Millionen bereitgestellt. Falls sich jemand mal fragt, wo denn Steuergelder indirekt sonst noch hinfliessen.

Danke Tatjana für die Aufbereitung dieses Textes!


Thailand

03. – 05. Oktober 2017 – Bangkok

In dem Sinne viel gesehen von oder erlebt in Bangkok habe ich nicht, musste ich doch erstmals das Grossstadtgefühl gewinnen und mich akklimatisieren (klima- und auch kulturtechnisch). Das tropische Klima entspricht mir völlig und vor allem über die warmen Temperaturen freue ich mich sehr. Was mir ansonsten aufgefallen ist, sind die überfüllten Strassen mit Touristen, eher unfreundliche bis sehr unfreundliche und zum Teil aufdringliche Strassenverkäufer, was mich nach der offenen und freundlichen Art der Australier etwas überforderte, und den Rest hat mir die Dame auf dem „River Taxi“ gegeben, die während der ganzen Fahrzeit irgendetwas auf Thai rumgeschrien hatte und unglücklicherweise direkt neben mir stand. Trotzdem bin ich sehr begeistert von Bangkok, obwohl ich wenig bis gar nichts gesehen habe. Am ersten Tag besuchten wir den Tempel „Wat Arun“ und fuhren mit dem River Taxi mehrere Male herum. Ansonsten verbrachten wir die Zeit in netten Kaffees und Restaurants und tauschten uns rege aus, schliesslich sind seit unserem letzten Treffen neun Monate vergangen. Morgen geht’s mit dem Bus weiter nach Siem Reap (Kambodscha).