Figueria & Torrinha (13.-16.10)

Auf dem Weg zu unserem nächsten Übernachtungsort in Figueria besuchten wir eine weitere Bucht, um das Frühstück zu geniessen, dem „Praia do Vale dos Homens“, wieder wunderschön, wieder einsam. Bei der Weiterfahrt wollte ich in Carrapateira noch die grosse Sanddüne bestaunen mit dem vorgelagerten Strand, der offensichtlich ein Surfermekka ist (keine Fotos, Batterie war leer :)).

Bevor wir schliesslich gegen Osten rollten, besuchten wir noch den südwestlichsten Punkt vom europäischen Festland, der weit weniger touristisch war, als der letzte (westlichste) Punkt. Ebenfalls irgendwie faszinierend, doch den Leuchtturm konnten wir uns nicht näher anschauen, war leider alles geschlossen.

Den 14.10. verbrachten wir dann praktisch nur in der Garage, da unser Bus ziemlich hustet und schwarze Rauchwolken von sich gibt, was einerseits beunruhigt in Anbetracht der langen Heimreise, die uns bevorsteht, andererseits das schlechte Gewissen in Bezug auf die Umwelt verstärkt. Der Mechaniker meinte, es gäbe ein Problem mit der Einspritzpumpe- oder düse, er könne es nicht genau sagen und habe aber erst am Mittwoch Zeit für eine Reparatur. Am Am Mittwoch sollten wir uns aber auf halben Weg in die Schweiz, also irgendwo in Spanien oder Frankreich befinden, ansonsten ist der Erholeffekt zuhause dann wieder futsch. Wir entschlossen uns deshalb, weiter Richtung Osten und ab morgen Richtung Norden zu fahren und versuchen unser Glück in einer anderen Garage weiter im Landesinneren in der Hoffnung, dass es dort weniger touristisch ist und eine Garage etwas früher Zeit für unsere in die Jahre gekommene Lady findet. Wir werden’s sehen…

Monte Carvalhal da Rocha (10.-13.10.)

Vielleicht werden die Strandfotos langsam ein wenig langweilig, aber die einsamen Strände, einer schöner als der andere, reihen sich hier im Parque Natural do Sudoeste Alentejano e Costa Vicentina aneinander. Man kann sich eigentlich seine private Bucht aussuchen und den Tag dort verbringen. Wir machten häufig einfach kleine Abstecher an die Strände und zogen dann weiter. In diesem Fall auf einen Camping bei Carvalhal, auf dem wir drei Nächte verbrachten, zwei Strandtage einlegten, uns erholten und die Zeit genossen.

Die Hirsche, die man auf den Fotos sieht, sind leider nicht wild, wie wir es zuerst dachten und für das Foto mitten auf der Strasse anhielten. Nachdem der Typ an der Rezeption des Campings meinte, dass auch die Zebras und die Büffel wild seien, war uns dann klar, dass all diese Tiere aus einem Zoo stammen und sich hinter Zäunen befanden. Schade, und trotzdem begleitete uns der Hirsch die nächsten Tage, da eh bei jedem vorbeifahrenden Auto kräftig röhrte und ich mich total amüsierte.

Auf der Reise weiter Richtung Süden sahen wir dann zum ersten Mal auch grössere Teile abgebrannten Waldes, was doch ziemlich erschreckend aussieht. Schön hingegen zu sehen, dass aus den verbrannten Eukalyptusbaumstämmen bereits wieder neue Triebe schiessen. Die Portugiesen pflanzen Eukalyptus leider seit Jahren in Monokulturen an und diese ölhaltigen Bäume brennen leider sehr schnell und stark.

Tróia-Halbinsel (09.10.)

Die Reiseplanung für diesen Montag war einigermassen sportlich. Am Morgen ging’s mit der Fähre von Setúbal auf die Tróia-Halbinsel, ein langgezogener Sandstreifen im Meer, der noch ziemlich wild und Paradies für zahlreiche Vogel- und Pflanzenarten ist. Einen ersten Halt machten wir am Traumstrand von Comporta mit türkis blauem Wasser, feinem Sand und sehr wenigen Menschen. Der Hunger zog uns dann weiter nach Carrasqueria, ein kleines Örtchen, das nebst gutem Essen etwas Besonderes zu bieten hat: Die „Cais Palafitico“, ein kleiner, pittoresker Hafen mit Stegen auf fragilen Holzpfählen, die weit ins Brackwasser hineinragen. Einzigartig in Europa. Mich erinnerte es stark an die Fischerdörfchen in Vietnam, die genau so, nur viel belebter aussahen. Gegessen haben wir übrigens eine Spezialität aus der Region, die mir die freundliche Portugiesin bei den Grotten empfohlen hatte: Choco Frito, frittierter Sepia. Super lecker, wenn man gerne Meerestiere hat. Für den Abend deckten wir uns bei einer Adega noch mit feinem Wein aus der Region Alentejo ein und steuerten anschliessend den nächsten Strand an, an dem wir einen wunderschönen Abend mit Sonnenuntergang und Blick aufs Meer verbrachten und mit Meeresrauschen einschliefen.

Lisboa (06.-08.10.)

Am Freitag kam Corinnes Flug nach angekündigter Verspätung dann doch überpünktlich an (ansonsten hätte es früher News von mir gegeben). Gemeinsam machten wir uns auf den Weg zum Camping in Lissabon, richteten uns ein wenig neu ein und nahmen schliesslich den Bus Richtung Lissabon, suchten uns ein nettes Restaurant und besuchten anschliessend ein super Konzert von „The National“ im „Campo Pequeno“ im nordöstlichen Teil von Lissabon. Todmüde kamen wir um ca. 2 Uhr morgens ins Bett, wollten aber am nächsten Tag bei Zeiten wieder in der Stadt sein, um sie etwas gründlicher zu erkundigen. Nach einem Gespräch mit einer Portugiesin war ich gar nicht mehr so motiviert, Lissabon zu sehen, da sie meinte, dass die Stadt noch deutlich touristischer sei als Porto (und da hatte es mir wirklich zu viele Leute!). Überraschenderweise war das aber nicht so bzw. verteilten sich die Leute in Lisboa vielleicht besser. Mir hat die Stadt auf jeden Fall sehr gut gefallen, die Atmosphäre war entspannt und gemütlich. Zum Abschluss der Stadtbesichtigung setzten wir uns etwas ausserhalb der Tourizone in ein Lokal, in dem der Abend durch Fado-Musik begleitet wurde, was wirklich ausserordentlich schön war (das Essen hingegen war eine Katastrophe, Stockfisch zum Apéro und zum Hauptgang, ungesalzen und mit trockenen Kartoffeln serviert, das Dessert war ok).

Vom folgenden Tag gibt es nicht viel zu berichten, wir verliessen Lissabon am Mittag und fuhren über die Ponte 25 de Abril Richtung Süden auf einen Campingplatz, um die weitere Reise zu planen und die Zeit zu zweit zu geniessen.

Cabo da Roca (06.10.)

Am nächsten Morgen blieb noch genug Zeit, um ans „Cabo da Roca“ zu fahren, dem westlichsten Punkt des europäischen Festlandes. Obwohl sehr touristisch, konnte ich diesen für mich doch irgendwie speziellen Ort recht geniessen. Der nächste Halt nach dem Überqueren des Atlantiks wäre dann Amerika. Für mich ging’s von hier aus aber weiter nach Lissabon, wo ich Corinne am Flughafen abholte, um dann den zweiten Teil der Reise durch den Süden zu beginnen.

Nazaré (05.10.)

Die Nacht verbrachte ich wieder an bzw. hinter einem Stand ganz in der Nähe der Stadt Nazaré. Die Stadt bzw. die Strände um die Stadt sind vor allem bekannt für ihre Monsterwellen, die auch an diesem Abend z.T. zwischen drei bis vier Meter hoch waren. Etwas zu nah am Meer und zack, die Hosen waren klitschnass. Für den nächsten Tag war eigentlich der Besuch des Fischmarktes in Nazaré geplant. Die Ankunft verlief schon mal nicht gut, überall Verbotsschilder zum Parkieren von Campern, dafür einen Stellplatz, für den man satte fünf Euro liegen lassen musste. Der untere Teil der Stadt, der am Meer liegt, war ziemlich touristisch und die immergleichen Stände mit Souvenirs verzierten die Strassen. Der Fischmarkt war weit und breit nicht zu finden, die Markthalle geschlossen, obwohl anders angeschrieben. Ziemlich genervt machte ich mich auf zurück zum Camper, die Lust an der Stadt ist mir irgendwie vergangen. Ich fuhr weiter zu einem kleinen See, ass gemütlich mein Mittagessen und fuhr dann eine Weile Richtung Süden. Lisboa is waiting…

Batalha & Grutas da Moeda (04.10.)

Nach einer guten Nacht mit Meeresrauschen im Hintergrund besuchte ich am folgenden Tag zuerst das „Mosteiro de Santa Maria da Vitória“, kurz „Batalha“ genannt. Kurz zur Geschichte: In der entscheidenden Schlacht (1385) für die Unabhängigkeit Portugals stand König João I. einem überlegenen spanischen Heer gegenüber. In seiner Not gelobte er der Heiligen Jungfrau, ihr für ihren Beistand ein Kloster zu stiften. Tatsächlich siegten die Portugiesen in der Schlacht (portugiesisch: Batalha) von Aljubarrota, und bereits drei Jahre später begannen die Bauarbeiten an diesem Meisterwerk der Kirchenbaukunst. Ein wirklich faszinierendes Gebäude!

Nun war es wieder Zeit für ein Wunder der Natur, also machte ich mich auf den Weg zu den Grutas (Grotten) da Moeda. Die unterirdische Welt konnte ich auf eigene Faust erkunden, Erkläraudios begleiteten die Entdeckung. Die Kalksteinformationen wurden vor 168 Millionen Jahre durch Ablagerungen von Algen und Muscheln geformt, tropfendes Wasser bilden Stalaktiten (an der Decke) und Stalagmiten (am Boden). Diese „wachsen“ ca. einen Zentimeter alle hundert Jahre. Der höchste Stalagmit in den Höhlen war ca. 2.20 Meter hoch und somit ca. 22 Tausend Jahre alt. Der tiefste Punkt der Tropfsteinhöhlen befindet sich 45 Meter unter der Erdoberfläche, ein wunderschönes, farbenfrohes Naturspektakel. Zum Abrunden wurde mir ein kleines Gläschen süsser Wein offeriert, worauf ich ewig mit einer Portugiesin über Kultur, Tourismus in Portugal, Weinanbau diskutiert habe und mit einer Handvoll tollen Tipps für schöne Orte weiterging.

Aveiro (03.10.)

Bevor es von Porto aus in die nächste Stadt ging, wollte ich unbedingt einen Abstecher in das Dünengebiet von São Jacinto machen. Ich brach also am Morgen auf und fuhr zu einem der schönen und sehr einsamen Strände, wo ich mein Frühstück genoss. Auf dem Weg wollte ich dann eigentlich noch das Konservendosenmuseum besuchen, die Öffnungszeiten in meinem Reiseführer waren aber leider falsch, weshalb ich das auslassen musste. Eine weiteres Stück Autofahrt führte mich nach Aveiro, das als „Venedig Portugals“ gilt. Ich konnte den Zusammenhang zwar feststellen, fand aber den Vergleich doch recht übertrieben. Immer noch touristisch, aber zum Glück viel weniger als Porto, gefiel es mir in Aveiro recht gut. Ich schlenderte durch die Strassen und besuchte einige der vielen Läden mit handgemachten Sachen im portugiesischen Stil (der mir definitiv nicht immer gefällt). Danach packte mich wieder der Hunger und ich besuchte ein Restaurant mit einem für die Region typischem Gericht, dem „Leitão“ (Spanferkel). Ich war froh, dass ich das Essen ganz ok fand, da ich das noch nie probiert hatte und mir ganz und gar nicht sicher war, ob ich das mögen würde. Mit einem Gläschen Weisswein dazu (die hier immer prall gefüllt sind), lässt sich aber alles (sehr) gut schmecken. Danach habe ich in meinem Reiseführer leider ein paar Seiten übersrungen und einen viel zu südlichen Ort in meinem Navi eingegeben, was mich dann am Abend ziemlich aufregte, zumal der Übernachtungsplatz (zwar am Stand) nicht optimal war…

Porto (01.-03.10.)

Nach dem Staunen über die Felsmalereien nahm ich den schnellsten Weg nach Porto, installierte mich auf dem Camping, der eigentlich als „completo“ angeschrieben war, aber irgendwie für jeden ankommenden Gast doch noch Platz hatte. Den Abend genoss ich am 300m entfernten Atlantik beim Abendessen inklusive Sonnenuntergang, was etwas Entschleunigung brachte, die ich dringend brauchte. Denn schon am kommenden Tag stand der Stadtbesuch von Porto auf dem Programm. Bereits am Morgen nahm ich den Bus in die Stadt und begann meine Tour bei der Sé do Porte (der Kathedrale von Porto), schlenderte ein wenig durchs historische Viertel, war völlig überfordert mit den massiven Touristenströmen und suchte mir erstmals ein Café zum Frühstücken. Hätte ich diese Stadt nicht schon so lange mal besichtigen wollen, ich glaube, ich hätte den nächsten Bus zurück genommen. Anstatt dessen versuchte ich, die Hauptgassen etwas zu vermeiden und entgegen der Touristenrouten zu laufen. Die Stadt wäre an sich richtig charmant und total herzig, aber davon ist an einem schönen Oktobertag leider nicht mehr viel übrig geblieben. Einige schöne Eindrücke konnte ich trotzdem mitnehmen und um den Tag zu beenden, beging ich mich auf die andere Seite des Duoro, wo sich die zahlreichen Weinkeller (die eigentlich keine Keller sind) befinden. Dieses Mal mit vollem Magen und am Nachmittag machte ich eine kleine Weindegustation in einem Restaurant und ich muss langsam aufpassen, dass ich nicht auf noch zur Portwein-Liebhaberin werde, das Zeug schmeckt echt gut! Mit einem weiteren Fläschchen im Rucksack nahm ich den total überfüllten Bus zurück Richtung Camping.

Vale do Côa (01.10.)

In diesem Tal ist es durchschnittlich vier Grad wärmer als in der umliegenden Gegend. Das erklärt auch, weshalb dort Pistazien und Mandeln ungeniert wachsen können (für die Mandeln sei es mittlerweile sogar zu heiss). Diese arme ältere kanadische Dame unserer Gruppe, die von Fels zu Feld krakelte und schnaufte. Für uns alle scheint es sich aber gelohnt zu haben, wir haben die Reise in die Geschichte der Menschheit mehr als genossen. Der Museumsbesuch am Vortag hat sich ausbezahlt, denn das Erkennen der Bilder ist ohne „geschultes Auge“ definitiv nicht ganz ohne.

Favaios & Pinhão (30.09.)

Nun stand ein Teil meiner Reise an, auf den ich mich bereits im Vorfeld sehr freute: Das Duoro-Tal. Meine Reise führte mich am Vormittag durch Rebberge, so weit das Auge reicht, Richtung Favaios. Einen ersten Halt machte ich bei der „Adega Cooperativa de Favaios“, einer Kooperative, die Trauben von den Weinbauern in der Umgebung erhält und diese weiterverarbeitet. Zum Teil zu dem in der Region typischen „Favaios“, den man vor allem zum Apéritivo trinkt (aber eigentlich immer trinken kann, wie ich gelernt habe) oder schliesslich zu Portwein. Von „Ana“ wurde ich freundlich empfangen und bekam alles Wissenswerte über die Herstellung und den Genuss des Favaios erklärt, inklusive Degustation. Das war etwas unglücklich, denn dieser Likör hat 17% Alkoholgehalt und es war erst 11 Uhr am Morgen. Aber schliesslich wollte ich auch etwas kaufen und das natürlich nicht, ohne zu wissen, was. Die Gläser wurden reichlich gefüllt und ich begann widerwillig, die Hälfte stehen zu lassen.
Weiter ging es durch die Rebberge hinab bis nach Pinhão, ein kleiner, aber für seinen Wein sehr bekannten Ort, entsprechend touristisch war er. Ich wollte mir eigentlich nur den Bahnhof anschauen, der die Geschichte des Weinbaus mittels „Azulejos“ darstellte. Azulejos sind Keramikfliesen, oft bunt bemalt, welche die Häuserfassaden verzieren oder eben Geschichten erzählen.
Das letzte Ziel dieses Tages war das Vale do Côa, indem man Wandmalereien entdecken konnte, die vor 14’000 bis 28’000 Jahren entstanden sind. Ich steuerte das Museum an, um eine Tour zu buchen (anders kann man die Felszeichnungen nicht besichtigen). Auf Englisch gab’s die nächste Tour erst am kommenden Tag. Deshalb besuchte ich mal zur Einstimmung das Museum, das – naja – so mittelinteressant war. Spannend fand ich jedoch, dass die Malereien erst um 1990 entdeckt wurden. Damals wollte man jedoch einen grossen Staudamm bauen. Als die Arbeiten anfangs Neunziger begannen, gab es in Portugal einen riesigen Aufstand, angeführt von Kindern und Jugendlichen. Dies, bevor die Parlamentswahlen anstanden und das Thema somit zum Politikum wurde. Die Wahlen gewann António Guterres (heute bekannt als Generalsekretär der Vereinten Nationen), der direkt nach seiner Wahl den Bau des Damms stoppte und das Gebiet zum Nationalpark erklärte. Ein Glück für mich und all die anderen Touristen, die nun diese Kunst bewundern können. Für den Tag hatte ich genug erlebt und suchte mir einen Camping so nah als möglich beim Museum, damit ich am nächsten Morgen für die Tour bereit war…

Fisgas do Ermelo (29.09.)

Ich kurvte also mal wieder bergab und bergauf, bis ich schliesslich am gewünschten Wanderparkplatz ankam, direkt vor den Fisgas do Ermelo, dem höchsten Wasserfall Portugals. Irgendwo in meinem Reiseführer hat sich offensichtlich ein Fehler eingeschlichen, denn dort steht, dass es der grösste Wasserfall von Portugal sei, was sich (siehe Bild) definitiv nicht erkennen lässt. Das war aber nicht mein Hauptziel, sondern eine Badestelle mitten im Parque Natural do Alvão. Aber zuerst ging’s mal gefühlt senkrecht hinauf und dann natürlich wieder fast senkrecht hinab, bis ich dort ankam. Die Strapazen hatten sich aber gelohnt, es war wunderschön und ich mutterseelenallein. Naja, fast… Plötzlich tauchte eine junge Portugiesin auf, die mich (ausgerechnet!) nach dem Caminho fragte. Ich konnte ihr nur sagen, woher ich gekommen bin, dachte aber, dass es ein ziemlich ungünstiger Ort ist, um sich zu verlaufen. Sie kroch dann irgendwo durchs Gebüsch den Berg hinauf und ich hoffe, sie hat ihr Auto irgendwann wieder gefunden… Ich genoss zwischenzeitlich die Ruhe und die Natur und auch die Wilddusche, die ich nach dem Aufstieg ziemlich nötig hatte. Müde, aber glücklich kehrte ich zurück und suchte mir erneut einen ruhigen Ort zum Übernachten, ebenfalls ganz alleine irgendwo im Nirgendwo.

Braga (29.09.)

Mittlerweile habe ich meinen Schlafrhythmus schon fast der Sonne angepasst, was praktisch ist, denn so lässt sich einiges unter einen Hut bringen an einem Tag. Am Morgen losgefahren, machte ich meinen ersten Halt in Braga, der ehemaligen Hauptstadt von Portugal. Da sich die Parkplatzsuche in den Städten als eher schwierig gestaltet, stellte ich den Bus frech auf den Lidl Parkplatz und erkundete von dort aus die Stadt, insbesondere den historischen Stadtkern mit Bibliothek und der Sé de Braga, einer Kathedrale, in der offenbar noch viele (vor allem ältere Menschen) ihren Glauben praktizieren. Zum Mittagessen setzte ich mich in ein Café, änderte meine Meinung aber wieder, als ich feststellte, dass die Preise für die Plätze draussen anders sind als jene für die Gäste, die drinnen sassen (geht mir einfach gegen den Strich so Zeugs!). Ich suchte mir also ein anderes nettes Café, wo ich gemütlich draussen sitzen, gut essen konnte und erst noch nett bedient wurde. Die Saison scheint noch nicht zu Ende zu sein, während meiner Pause liefen mind. drei geführte Gruppen an mir vorbei und so schnappte ich noch einiges Wissenswertes über die Stadt auf. Noch durch ein paar Seitenstrassen geschlendert, beendete ich meinen Braga-Besuch danach bereits wieder, es zog mich zurück in die Natur.

Barragem do Alto Rabagão, Vila da Ponte, Ponte da Misarela (28. – 29.09.)

Am Donnerstag machte ich mich früh auf den Weg, fuhr ungefähr zwei Stunden, bis ich an meinem ersten Zeil ankam, dem Barragem do Alto Rabagão, einem Stausee, dem man dies nicht angesehen hätte. Dort genoss ich mein Mittagessen, gönnte mir eine Abkühlung (und eine Dusche), bevor ich dann weiter Richtung Westen fuhr. Danach wollte ich einen Rundweg zu Fuss im Dorf Vila da Ponte machen, der über eine Römerbrücke und an zahlreichen alten Getreidespeichern vorbeiführen sollte. Aber wie es mir schon oft passiert ist auf dieser Reise, konnte ich den Rundwanderweg nicht finden und merkte erst, dass ich mich vermutlich bereits mit meinem Gefährt darauf befand, als ich vor der Römerbrücke stand. Da war ich bereits in Schweiss gebadet, denn die Strässchen waren so eng, dass man schon mit einem normalen Auto seine Mühe hätte, durchzukommen. Ich stellte das Auto kurzerhand ab und lief einige Meter in alle Richtungen, beschloss dann aber, auf die Rundwanderung zu verzichten (den Weg hatte ich ja immer noch nicht gefunden und weiter herumkurven wollte ich nicht mehr). Immerhin, einen Eindruck hatte ich bekommen. Schliesslich war mein Hauptziel des Tages der Parque Nacional Peneda-Gerês, aber auch da fand ich bei Weitem nicht alles, was ich mir hätte anschauen wollen. Den Weg zur Ponte da Misarela fand ich aber, eine weitere Steinbrücke aus der Römerzeit neben einem wunderschönen Wasserfall und mit persönlicher Begrüssung einiger Ziegen. Für einen Tag war ich dann genug gefahren und gelaufen und so suchte ich mir einen schönen Platz zum Übernachten direkt am Rio Cavádo. Bei wunderschöner Stimmung liess ich den Abend gemütlich ausklingen.

Parque Natural de Montesinho (26. – 28.09.)

Am kommenden Tag erkundigte ich zu Fuss den Nationalpark Montesinho. Ein schöner Loop Trail führte mich durch die Landschaft, vorbei an einem See, wo ich dann blöderweise die Abzweigung verpasste und auf dem Bikerweg landete, der noch ein grosses Stück länger war, als meine geplante Wanderung. Trotzdem war die Wanderung wunderschön, zahlreiche Kleintiere begleiteten mich (auch die unerwünschten Fliegen) vorbei an kleinen Wäldern, Kastanienbäumen und Abschnitten mit wunderbarer Weitsicht.
Ziemlich müde kam ich auf dem Camping an, gönnte mir somit ein kurzes Powernap, bevor ich meine weitere Reise zu planen begann. Irgendwann bemerkte ich, dass ich wohl zu detailversessen plante, da ich für meine Vorhaben schlicht viel zu wenig Zeit hätte. Ich beschloss deshalb, es von Tag zu Tag anzugehen und zu sehen, wie weit ich komme.

Bragança (26.09.)

Am Dienstagmorgen führte mein Weg direkt in die ausserhalb der Stadt Bragança gelegene Garage. Damit die Verständigung klappen würde, habe ich am Vorabend nochmals die wichtigsten Autovokabeln auf Englisch einstudiert, um dann am nächsten Tag festzustellen, dass niemand Englisch konnte. Die Verständigung klappte mehr schlecht als recht, aber schliesslich war klar, dass der Bus in der Garage bleibt – für mind. ein bis zwei Tage. Der Alternator war der Übeltäter. Für alle, die so viel von Autos verstehen wie ich: das ist das Teil, das dem Auto Strom verleiht. Ohne Alternator läuft die Stromversorgung über die Batterie, welche nicht mehr geladen wird und so kommt es früher oder später (in meinem Fall später, hatte ich so bereit 1500km hinter mich gebracht) zum Erliegen.

Ziemlich ernüchtert war ich von nun an zu Fuss unterwegs und schlug den Weg Richtung Stadt ein. Nach knapp einer Stunde Fussmarsch gönnte ich mir einen überzuckerten Kaffee und ein Toast (?) mit Butter – Es wäre einfacher, gäbe es ab und zu eine Speisekarte, damit ich nicht immer nur das bestellen müsste, was ich beim „Vorsagen“ verstehe. Ich erkundigte die Stadt, Zeit hatte ich ja genug, und machte paar kleinere Einkäufe. Mitunter einen Halt in der Apotheke, da die Erkältung, die ich vor den Ferien aufgelesen hatte, immer schlimmer wurde und mein Energiepegel ziemlich tief war. Sämtliche Museen waren leider geschlossen, ausser das Militärmuseum, das mich herzlich wenig interessierte. Dafür schaute ich mir die Stadtburg genauer an, unterhalb derer ich am Vorabend geschlafen hatte. Ein Hotel war zwischenzeitlich auch gebucht. Nach dem Check-in legte ich mich zuerst eine Weile hin (naja, die Erkältung gleicht mittlerweile eher einer Grippe). Als ich dann ein nettes Restaurant für den Abend rausgesucht hatte, bekam ich bereits die Nachricht von der Garage, dass das Auto abholbereit sei! Was für gute Neuigkeiten! Und der kürzeste Hotelbesuch in meinem Leben. Nach zwei Stunden mit langem Nap und einer ausgiebigen Dusche checkte ich bereits wieder aus. Der Réceptionist, der seinen ersten Arbeitstag hatte, war leicht verwirrt. Dieses Mal mit dem Bus ans Stadtende gefahren, wurde ich bereits erwartet. So freundliche Menschen! So herzlich! Der Inhaber meinte, zwei Tage auf einer Reise könnten schon lang sein und so hätten sie den Alternator geflickt, anstatt auf einen neuen zu warten (was erst noch viel teurer gewesen wäre). Mit einer wunderschönen Begegnung im Herzen tuckerte ich noch am selben Abend durch eine wunderschöne Abendstimmung Richtung Westen auf den Parque Biologico de Vinhais.

Reise & Ankunft… (23. – 25.09.)

Finally! Nach einigen Aufregungen, die halt zum Reisen dazu gehören, bin ich nun heute jubelnd über die portugiesische Grenze gefahren.

Los ging’s am Samstagmorgen früh, denn leider musste ich am Freitag, als ich eigentlich losfahren wollte, nochmals (alle guten Dinge sind drei) den Anlasser des Autos ersetzen. Wenigstens konnte ich alles noch bereit machen, um am Samstag durch ganz Frankreich zu fahren. Kein Verkehr, herrliches Wetter, gute Laune. So erreichte ich am Samstagabend mein anvisiertes Ziel: Argèles-sur-mer nahe der spanischen Grenze. Am Eingangstor des Campingplatzes traf mich allerdings fast der Schlag, als ich die fünf Sterne auf der Willkommenstafel sah. Bevor ich mich zur Réception beging, studierte ich die Preise bei der Tafel und schluckte drei Mal leer. Dann kam es mir wieder in den Sinn, dass wir diesen Camping bei der letzten Reise wegen der Preise ausgeschlossen hatten, aber ich hatte ihn trotzdem als Favorit markiert, weil die Bilder so schön aussahen (how naiv can one be!). 69 Euro war der Preis für einen Spot mit Meersicht für 2 Personen!! (Hat es da noch einen Whirlpool auf dem Platz??) Es gab zum Glück auch noch billigere. Da ich nach acht Stunden Fahrt zu müde war, um weiter zu suchen, fragte ich trotzdem mal nach einem Platz. „Wir sind voll“, hiess es dann und als ich schon wieder davon trottete, rief mir der Platzherr hinterher, nahm mich mit auf seinem Elektrowagen und fuhr mit mir durch den ganzen Camping, bis er schliesslich anhielt und meinte, dass ich hier noch übernachten könnte. Nehme ich! Egal, Hauptsache schlafen (natürlich nicht für 69 Euro!). Am Abend machte ich dann noch einen kurzen Abstecher ans Meer, da ich das für mehrere Tage nicht mehr sehen sollte. Irgendwie war ich froh, als ich am nächsten Tag weiterfahren konnte, denn solche Campingplätze sind definitiv nichts für mich. Viel zu perfekt, viel zu viel, von allem!

Die Platzwahl wollte ich am Sonntag besser machen und suchte mir einen herzigen Campingplatz Mitten in Spanien raus. Nach ca. sechs Stunden Fahrt erreichte ich den Platz, etwa 100km nach Zaragoza bei einer Bruthitze. Die Fahrt hingegen war wunderschön, die Weite, die Landschaft, die rote Erde. Da schlägt mein Herz höher. Auf dem Camping angekommen, begrüsste mich der Patron sehr freundlich, nur die Verständigung war eher schwierig, da ich erst jetzt merkte, dass die wenigen Fetzen Spanisch, die ich mal konnte, allesamt vergessen waren. Ich konnte mich nicht mal mehr ans Wort Cerveza erinnern (und das soll was heissen!). Nach dem Einrichten suchte ich das kleine Restaurant auf, wurde gleich von meinen Tischnachbarn angesprochen, mit denen ich schliesslich zwei Stunden über Gott und die Welt sprach (en français!). Eigentlich hätte ich meine Weiterfahrt planen wollen… Das tat ich dann später und legte mein nächstes Ziel fest: Portugal. Entweder Milhão oder Bragança. Wieder führte mich mein Weg durch unbeschreibliche Landschaften, zum Teil völlig ausgetrocknet, dann wieder reich an Leben, plötzlich eine Stadt im Niegendwo. Milhão sollte es schliesslich nicht sein, obwohl ein schöner Ort mit künstlichen Wasserbecken an einem Bach, hatte es viel zu viele Insekten. Also steuerte ich den Stellplatz bei Bragança an (ich habe schon so viel Geld für Diesel ausgegeben, das ich mich entschloss, die Gratisvariante zu nehmen). Zu meinem Erstaunen war alles schon sehr voll, also schnappte ich mir den fast letzten Platz auf der untersten Terrasse des mehrstöckigen Stellplatzes und richtete alles ein. Als ich bereit war, mein wohlverdientes kühles Bier zu öffnen (ich war wieder ca. acht Stunden unterwegs) kam eine Französin, die meinte, dass man da nicht mehr parkieren dürfe, da müssten Autos durchfahren und die Polizei könne kommen. Also alles wieder einpacken und eine Terrasse weiter nach oben, neben die Franzosen, die mir netterweise geholfen haben zu manövrieren. Nun sitze ich aber da, schaue auf eine grüne Landschaft und geniesse den restlichen Abend. Morgen werde ich mir ein schönes Plätzchen suchen, wo ich etwas entspannen kann. Zuerst werde ich aber nochmals einen Umweg in die Garage machen. Die Batterielampe leuchtet rot. Es bleibt spannend. Danach hoffe ich, dass die richtige Portugalreise losgehen kann… Keep you posted!