Vietnam
16. – 20. November 2017 – Ho Chi Minh City / Saigon
Nach den ruhigen Strandferien und der Kleinstadt Can Tho wurden wir von Saigon, so lautet der ursprüngliche Name der Stadt, total überwältig. Mitten im Stadtkern wird eine U-Bahn gebaut, was die Übersicht über den Verkehr verunmöglicht und man muss höllisch aufpassen, wenn man die Strassen überquert. Der Adrenalinspiegel und Stressfaktor waren dementsprechend hoch. Trotzdem schafften wir es am ersten Nachmittag auf den Binh Tay Market, um noch einige Souvenirs einzukaufen. Später gingen wir auf das Saigon Sky Deck, von welchem aus wir eine wunderschöne Aussicht mit Sonnenuntergang über die Stadt genossen. Zum Abschluss des anstrengenden Tages (Tage, an welchen wir Busfahrten unternehmen mussten, waren grundsätzlich anstrengend), setzten wir uns in ein nettes Kaffee, schlüften einen Cocktail und beobachteten das Treiben auf den Strassen. Wie aus dem Nichts kamen plötzlich von allen Seiten Menschen auf Mofas, die Wägen neben sich her zogen und innert 30 Minuten wurde ein ganzer Nachtmarkt vor uns aufgebaut. Dies nahmen wir natürlich zum Anlass, uns diesen auch noch anzusehen und durch zu schlendern. Der nächste Tag startete in einem herzigen Kaffee mit dem Namen „the note“. Der Grund für die Namensgebung wurde uns schnell klar, als wir die mit Notizen vollgepflasterten Wände sahen. Anschliessend statteten wir dem „Reunification Palace“ oder „Independence Palace“ einen Besuch ab. Das Gebäude war definitiv keine Augenweide und auch der Inhalt war mässig interessant. Was wir zu Gesicht bekamen waren endlos viele Sitzungszimmer, in denen irgendwelche Staatsherren- und Frauen ihre Verhandlungen führten. Darunter befand sich ein Tunnelsystem, was einem Staatspräsidenten bei einem auf ihn gerichteten Anschlag Schutz bot. Das Gebäude markierte aber grundsätzlich das Ende des Vietnamkriegs, als am 30. April 1975 die Nordvietnamesen in Saigon einmarschierten und die Stadt und damit Südvietnam zum Fall brachten. Unsere Stadtbesichtigung führte uns weiter zur „Notre Dame Cathedral“, welche dem französischen Gegenstück relativ ähnlich kommt und ebenfalls von den Franzosen während der Kolonialzeit erbaut wurde. Die Materialien für den Bau stammten ebenfalls praktisch alle aus Frankreich. Leider konnten wir die Kirche nicht von innen erkundschaften, da sie wegen dringend nötigen Renovationen geschlossen war. Nebenan befand sich gleich das alte Postoffice, das ebenfalls ein Gebäude aus der Kolonialzeit ist, in der Zwischenzeit aber mal wunderschön restauriert wurde. Wir hatten offenbar noch nicht genug von Museen und so besuchten wir das „War Remnants Museum“, waren aber von dessen Präsentation des American Resistance War nicht wirklich überzeugt. Natürlich zeigte es die ganze Brutalität, gab Hintergrundinformationen zu Geschichte, aber beim Lesen hatte man immer das Gefühl, dass einige Stücke fehlten oder ausgelassen wurden. Wir beschlossen, das Museum frühzeitig zu verlassen und die Fakten selbst nachzulesen. Ich werde euch diese nun aber vorenthalten, da es sehr komplex zu sein scheint. Zum Nachtessen trafen wir ein mit Tatjanas Onkel befreundetes Ehepaar, welches seit vier Jahren in Ho Chi Minh lebt und Englisch unterrichtet, was uns natürlich interessierte. Wir verbrachten einen gemütlichen und gesprächigen Abend zusammen. Interessant für mich war, dass die beiden vorher lange in Australien lebten und in der Nähe von Alice Springs Aboriginal Kinder unterrichteten. Natürlich gab es da haufenweise Gesprächsstoff. Auch am dritten Tag unseres Aufenthaltes besuchten wir ein Museum, diesmal war es das Fine Arts Museum, welches Modern Arts vor und ab 1975 ausstellte. Eigentlich bestand das Museum aus drei Gebäuden, wir schafften aber nur eines, welches bereits auf drei Stockwerken Kunstwerke ausgestellt hatte. Bevor wir uns auf den Weg in ein Restaurant machten wollten, begann es wie aus Kübeln zu regnen, was zur Folge hatte, dass die Strassen innert kürzester Zeit überflutet waren. Wir gingen also nicht allzu weit. Da es auch am vierten und letzten Tag dauerhaft regnete, schlugen wir die Zeit mit Kaffeetrinken und Einkaufen tot. Also viel kauften wir nicht, aber in den Einkaufsläden war man wenigstens vor dem Regen geschützt. Einen kurzen Abstecher zum Binh Tay Market und zu einem anderen Market lag ebenfalls drin, bis wir dann endgültig alle Souvenirs zusammen hatten. Am späteren Abend ging’s dann Richtung Flughafen, wo wir stundenlang auf unseren Flug auf die Philippinen warteten. Abgeflogen sind wir erst um halb zwei morgens.
13. – 16. November 2017 – Can Tho
Wie meistens nach den Busfahrten waren wir nach unserer Ankunft in Can Tho ziemlich geschafft und konnten uns deshalb nur noch zu einem Kaffee und Abendessen aufraffen. Am zweiten Tag waren wir dann aber bereit, die Stadt in Angriff zu nehmen. Can Tho ist die grösste Stadt im Mekong Delta, ist aber immer noch relativ gut überschaubar. Zu Fuss erkundeten wir verschiedene Stadtteile, spazierten den Fluss entlang vorbei an Marktständen mit frischen Früchten, Gemüse und Meeresfrüchten, besuchten zwei Tempel, einen den wir zufällig ansteuerten und die „Ong Pagoda“ mit ihren Räucherstäbchenspiralen, welche ein schönes Fotomotiv abgaben. Des Weiteren wollten wir das „Can Tho Grand Prison“ besuchen, welches zur französischen Kolonialzeit erbaut und gebraucht wurde, später dann aber von den Amerikanern während des Vietnamkriegs (oder „American Resistance War“ wie er in Vietnam genannt wird) weiter verwendet wurde. Schliesslich besichtigten wir aber statt einem Gefängnis eine Baustelle, was unseren Erwartungen nicht ganz gerecht wurde. Am zweiten Tag buchten wir eine Boat Tour. Hauptziel war der „Cai Rang Floating Market“ auf dem Bassac River. Um halb sechs wurden wir vom Hotel zu einem Miniboot geführt, mit dem es dann flussaufwärts zum Market ging. Eine wunderschöne Morgenstimmung durften wir dabei erleben. Auf dem Market wird praktisch alles gekauft und verkauft, die Schiffe hängen die Produkte, welche sie verkaufen, an einen Mast, sodass man bereits von weitem sieht, welches Schiff man denn für was ansteuern muss. Nach einem vietnamesischen Kaffee (ultra stark mit Kondensmilch) war eine vietnamesische Frühstückssuppe im Preis inbegriffen. Der Markt war ein unglaublich tolles Erlebnis, verschiedene Schiffe waren getürmt mit Ananassen, andere waren mit Kartoffelsäcken beladen und Frauen und Männer präparierten frischen Kohl. Ein einzigartiges Spektakel. Die Tour führte uns weiter zu einer Reisnudelfabrik, wobei Fabrik etwas übertrieben ist. Runde Reisblätter, ähnlich wie Crepes aussehend, wurden frisch gebraten, anschliessend an der Sonne für mehrere Stunden getrocknet und schliesslich durch die Nudelmaschine gelassen. Dahinter eine Frau sitzend, die die Nudeln faltete und zum Verkauf bereit legte. Unsere Bootstour führte uns weiter über den Bassac River, vorbei an einem kleinen Dörfchen bis zu einem Fruchtgarten, wo wir uns nochmals einen Kaffee gönnten. Auf meinen Wunsch konnten wir die Kakaofarm in unsere Tour einbinden. Das war äusserst spannend, da der Gründer den Herstellungsprozess gerade selbst erklärte (und zur Abwechslung mal sehr gut Englisch sprach). Einen frischen Kakao und einen Kakao-Cider gab’s zum Probieren. Die Kakaobohnen werden entweder exportiert, u.a. auch in die Schweiz, oder direkt über dem Feuer geröstet, abgekühlt und weiterverarbeitet. Hergestellt werden Kakaobutter, Kakao-Cider, Schokoladenblöcke mit 100% Kakaoanteil und Kakaopulver.
Die Bootsführerin liess uns dann auf unseren Wunsch in der Stadt aussteigen und wir suchten uns ein nettes Kaffee zum Mittagessen, bevor wir uns für eine Weile im Hotel hinlegen mussten, um den restlichen Tag zu überstehen (um 5 Uhr aufstehen gleicht einer Tortur).
2. – 13. November 2017 – Phu Quoc
Am kommenden Morgen ging es dann weiter Richtung Vietnam. Die Busfahrt war ziemlich abenteuerlich, wussten wir, dass die Fähre um ca. 13.30 Uhr abfährt, unser Bus aber einen Umweg über Kampot und Kep machte, was die Fahrt natürlich verlängerte. Auch am Zoll dauerte die Abwicklung eher länger und obwohl uns versprochen wurde, dass wir mit dem gleichen Bus in Vietnam weiterfahren würden, hiess es dann an der Grenze plötzlich aussteigen und mit samt Gepäck über die Grenze zu laufen. Endlich in Vietnam angekommen (also nach dem Grenzübergang) sagte uns die Dame, die nun das Zepter übernommen hatte, dass die Fähre heute aufgrund schlechten Wetters nicht fahren würde. Das nachdem der neue Bus, mit dem es nach der Grenze hätte weitergehen sollen, noch nicht mal da gewesen war. Die Franzosen sind fast ausgeflippt. Nach zwanzig Minuten kam dann der nächste Minibus, die Fähre wäre mittlerweile sowieso schon längst abgefahren, mit dem wir dann nach Ha Tien fuhren. Im Reisebüro angekommen, hatte die Travel agent dann aber alles daran gesetzt, unser Hotel auf Phu Quoc zu informieren, dass wir heute nicht mehr ankommen würden. In der Zwischenzeit erfuhren wir jedoch, dass die Autofähre am Abend eventuell noch ablegen würde, wir sollten einfach bis um 18.00 Uhr im Reisebüro (das aber glücklicherweise auch ein Restaurant war) warten. Um 18.00 Uhr brach dann eine grosse Hektik aus, ein Minibus fuhr uns zur Ablegestation, wo wir erneut warteten. Unser Travel agent führte endlos viele Telefonate, rannte umher, zum Ticketschalter und zurück, bis es dann schliesslich hiess, dass die Fähre fahren sollte und wir nun einsteigen können. Auf der Fähre durften wir erneut warten und wurden von vietnamesischen Lovesongs berieselt. Plötzlich brach erneut eine Hektik aus, nachdem eine Durchsage vom Kapitän gemacht wurde. Natürlich verstanden wir kein Wort und da es kein Touristenschiff war, konnte uns das auch niemand auf Englisch übersetzen. Dank komischen Zeichen und den Passagieren, die das Schiff wieder verliessen, verstanden wir die Botschaft dann aber, dass die Fähre eben trotzdem nicht fahren würde. Unsere Minibusse von der Reiseagentur waren aber zwischenzeitlich natürlich verschwunden und wir standen regelrecht im Regen (es fing gerade an, wie aus Kübeln herunter zu schütten). Jemand von unserer Gruppe schaffte es schliesslich, die Agentur zu erreichen, die uns dann wieder abholte und netterweise direkt beim Hotel, das wir bereits am Nachmittag gebucht hatten (reine Vorsichtsmassnahme), ablud. Für $11 war das ein echt gutes Hotel, besser als einige, für die wir deutlich mehr bezahlt hatten und ganz unglücklich waren wir auch nicht, hätte diese Fähre über drei Stunden bis nach Phu Qouc gebraucht und das schnelle Schiff eigentlich nur 1.5h. Am nächsten Morgen, um sieben Uhr klopfte es an der Tür, jemand hielt mir ein Telefon hin mit der Frau der Reiseagentur dran: „Wir werden in 10 Minuten vor dem Hotel sein, die Fähre legt heute ab“. Okay! Zähneputzen, fertig packen und raus. Der Minibus war schon da uns es ging erneut zum Pier. Es war wieder die langsame Fähre, aber wir waren froh, dass sie überhaupt fuhr, da ein grosser Sturm aufzog und sie gut auch für drei Tage nicht hätte fahren können. In Phu Quoc angekommen erlebten wir gleich die nächste Überraschung. An dem Hafen, an dem das Schiff anlegte, gab es weder Bus noch Taxi, noch Tuk-Tuk, noch Mofas. Nur ein Haufen verwirrter Touristen, die nicht wussten, wie sie ihr Hotel erreichen sollten. Wir gingen also zum Informationsschalter, wo eine Dame wenigstens ein bisschen Englisch sprach und die orderte uns dann ein Taxi, welches wir noch mit zwei Deutschen Mädels teilten, was wenigstens die Kosten reduzierte. Endlich kamen wir in unserem herzigen Gartenbungalow an, welches wirklich keine Wünsche offen liess. Die Reise nach Phu Quoc war zehnmal spektakulärer als der 12tägige Aufenthalt. Viel von der Insel sahen wir nicht, die Devise war Geniessen. Einmal mietete ich mir einen Roller und machte eine Rundfahrt in den Norden der Insel, wo ich auf ein herziges Sea Village traf. Stege führten ins Meer hinaus, darauf kleine Restaurants, die die Fische direkt aus dem Meer zogen und kochten. Eigentlich wollte ich ja den Seesternstrand besuchen, den ich aber leider nicht gefunden hatte. Navigieren und Rollerfahren gleichzeitig ist nicht ganz so einfach. Die Insel selbst begeisterte mich nicht wahnsinnig. Alles befindet sich im Um- und Aufbau, neue Hotels schiessen wie Pilze aus dem Boden, der Verkehr ist eine absolute Katastrophe (an diesem Tag sah ich zwei Unfälle!) und die meisten Strände sind von einem Resort umgeben, was den Zugang deutlich erschwert. Ich hätte trotzdem sicher gerne mehr von der Insel gesehen, die Zeit reichte aber einfach nicht. Zu schön war es am Strand und die Seele einfach etwas baumeln zu lassen.